Mittwoch, 10. August 2016

Was erwarten wir eigentlich? Was bleibt im Ohr, wenn wir Musik hören.



Wir nutzen nur 10% unseres Gehirns. Zumindest hört man diesen Spruch immer wieder. Und so ganz verkehrt ist er eigentlich auch gar nicht, nur fehlt eben eine wichtige Information: gleichzeitig.

Anders gesagt: Ich nutze auch immer nur 10% meines Kleiderschrankinhaltes, da 3 übereinandergezogene Winterjacken den Bewegungsradius der Arme empfindlich einschränken und mir zudem zu warm sind. Das heißt aber doch nicht, dass ich die restlichen 90% der Wohlfahrt spenden könnte. Zumindest nicht, solange ich nicht vorhabe, in Zukunft nur noch auf Kostümreitveranstaltungen teilzunehmen und mir jedesmal als „Dame im Abendkleid“ die Oberschenkelinnenseiten wund zu reiten, oder im Schneeanzug zum Baden zu gehen.

Selbst die selten genutzten Bereiche meines Kleiderschrankes sind mir genauso heilig wie die selten genutzten Bereiche meines Gehirns (das sind die, mit denen man Steuererklärungen korrekt ausfüllen und in den richtigen Augenblicken die Ruhe bewahren kann). Und die Tatsache, dass ich beim Tippen dieses Posts gleich im ersten Satz „nuzen“ statt „nutzen“ stehen hatte, beweist noch etwas anderes: Mein Thalamus befand sich unter den 90% die vorhin ganz einfach gepennt haben. Er hat die Information „unbekanntes Wort“ vom Sehnerv zwar gemeldet bekommen, aber nicht in Erwägung gezogen, seinen Hintern hochzubekommen (jup, auch im Mittelhirn gibt es „Pobacken“, als andere Bezeichnung für die den Augen zugeordneten oberen Bereiche der Vierhügelplatte (Colliculi superiores)) und diese Meldung mal an die Großhirnrinde weiterzuleiten, damit die Korrekturfunktion einsetzen kann. Penner. Wozu hat man überhaupt ein Gehirn, wenn es nicht auf einen aufpassen kann.

Der Depp, ich werde in Zukunft den Namen „Thali“ verwenden, steuert nämlich, was an Information von den Sinnen gemeldet wird und was davon an die Chefetage weitergeleitet werden soll. Immer in Relation zur jeweiligen Gesamtsituation natürlich. Somit wäre die Information „Hallo, hier spricht der Sehnerv, wir haben gerade ein hübsches Kleid in der Damenabteilung entdeckt und es könnte auch noch in unserer Größe vorhanden sein...“ vermutlich eher unwichtig, im Gegensatz zu „Das Kaufhaus brennt und wir sollten machen, dass wir hier rauskommen“. Irgendwie ja eine gute Einrichtung, auch wenn es mir ein bisschen Leid tut, wenn das schicke Kleid jetzt vermutlich verbrennen muss... das hätten wir schließlich auch noch retten können, oder? Zumindest das in unserer Größe.

Wir merken uns also manche Dinge besser als andere, weil manche Informationen ganz einfach kein Einreisevisum zum Neocortex bekommen. Würden wir alles verarbeiten, was um uns herum geschieht, würden wir vermutlich auch die Meise bekommen. Das gilt auch für Musik und andere Geräusche. Da zieht auch so einiges an uns vorüber, oder kann sich jemand daran erinnern, wie oft der Löffel heute Früh gegen den Rand der Kaffeetasse gescheppert hat oder ob und wenn ja, wann auf dem Weg zur Arbeit ein Motor unangenehm geklappert oder ein Auto gehupt hat? Sofern das Klappern nicht vom eigenen Motor kam und einen Besuch in der Werkstatt angekündigt hat, oder das Hupen von der Klapperkiste hinter uns kam und uns gegolten hat (und dabei hätte sich der Vollpfosten ja denken können, dass wir abbiegen und vor ihm einscheren würden, oder nicht? Schließlich befanden wir uns auf der Hauptstraße, unser Arbeitsplatz lag (grob gerechnet) schräglinks und wir hatten noch etwa 10 Minuten Zeit, ehe unsere Arbeitszeit begann. Wieso wusste der Depp das denn nicht?), haben wir diese unbedeutenden Informationen vermutlich ganz einfach nicht in die Chefetage weitergeleitet. Was übrigens nicht heißt, dass diese Ereignisse nicht irgendwo auf Halde liegen und zu gegebener Zeit von irgendeinem HiWi wieder ausgegraben und zur Verarbeitung gebracht werden können. Wenn wir denselben Huper noch einmal hören, haben wir vermutlich eine Art „Déjà-Hup-Erlebnis“, denn schließlich haben wir das Geräusch ja schon einmal irgendwo gehört. Solche unspezifisch archivierten Erinnerungen basteln sich nicht selten selbst ganz neu zu einem vermeintlich erinnerten „Ereignis“ zusammen, das in dieser Form niemals wirklich stattgefunden hat und so manchen auf die Palme bringen kann, der sich „ganz sicher ist, den gesuchten Gegenstand neulich noch auf dem Tisch“ gesehen zu haben, obwohl die erinnerte Tischplatte Ende der 80er entsorgt wurde. Ein Hoch auf den Thalamus und seinen besten Freund, das False Memory Syndrome.

Wann, wie und warum merken wir uns dann aber Musik, wenn wir sie irgendwo hören?

Zunächst einmal tun wir das in unglaublich vielen Fällen gar nicht. Zumindest nicht auf einer Ebene, auf der wir uns dessen bewusst wären. Was auch immer heute früh im Supermarkt aus den Lautsprechern dröhnte, als ich eine Packung Kaffee zur Kasse trug: Ich weiß es nicht. Sicher waren meine Gehörknöchelchen am Wippen und die Härchen in der Cochlea schunkelten im Takt, aber ich, beziehungsweise mein Bewusstsein, waren nicht eingeladen. Danke dafür, es hat mir vermutlich den Müller-Milchreis-Song als Ohrwurm erspart.
In seinem Buch "Der Musik-Instinkt" erklärt Daniel Levitin, der durchschnittliche Laiensänger würde sich eigentlich nur die wichtigsten Töne eines Liedes merken und die Zwischenräume dann anhand seines (mehr oder minder großen) Wissens über den entsprechnenden Musikstil (also seiner Erwartung an den Melodieverlauf entsprechend) ausfüllen. Diese Technik spart nicht nur Speicherplatz in der Denkmasse, sondern erklärt auch die unsicher-vernuschelten Stellen, die tatsächlich zumeist die weniger markanten Töne enthalten. Dieser wunderbare Mr Bean in der Kirche kann eigentlich gar nicht oft genug verlinkt werden. Als Profi kann man sich eine derartige Speicherplatzersparnis allerdings nicht leisten, da muss man leider alle Töne kennen

Abgesehen davon erinnern wir uns an Dinge, die für uns einen Sinn ergeben. In meinem Alter ganz besonders, denn irgendwann hat das Gehirn zwar jede Menge Kalk und vermutlich auch ausreichend Stroh zur Verfügung, aber trotz alldem keine Lust mehr, daraus neue Brücken (Synapsen) von Gehirnzelle zu Gehirnzelle zu bauen. Wir nutzen und festigen daher lieber diejenigen Verbindungen, die ohnehin schon vorhanden sind. Was wir kennen, beziehungsweise „erkennen“, das aktivieren und archivieren wir auch. Und –zumindest den Vertretern der Multiple Trace Theorie zufolge- werden diese Erinnerungen (die drei Takte, die ich beim ersten Konzert mit unserem Schulchor so entsetzlich versemmelt habe / der Melodiefetzen, zudem ich damals auf der Eislaufdisco auf die Schnudd gefallen bin...) jedes Mal neu aufgerufen, verbunden und somit immer stabiler gespeichert. Bekannte Melodieverläufe (und davon gibt es eine ganze Menge, auch wenn es sich nicht gleich um Plagiate handelt) verarbeiten wir also schneller und besser als Töne, die für uns in keinem bekannten Zusammenhang stehen. Wir suchen also nach bekannten Mustern, nach Strukturen und verwenden dazu Regeln wie das Gesetz des guten Fortschritts (folgt das Gehörte bisher einem Muster? Dann geht es sicher auch so weiter), der Nähe (Töne, die nah beieinanderliegen, werden auch als zusammengehörig verarbeitet (Deutschs „Mysterious Melody“ wäre ein gutes Beispiel dafür, wie weit auseinanderliegende Töne eine Melodie so zerreißen können, dass wir unfähig sind, ihr zu folgen), wir suchen nach in sich geschlossenen Formen (die wir beispielsweise bei der Zwölftonmusik vergeblich suchen), nach Dingen, die sich irgendwie als Teil eines Ganzen präsentieren. Wiederholungen festigen das Gehörte und zeigen uns, dass wir es richtig erkannt haben, weshalb wir uns auch ein Strophenlied weitaus besser merken können, als beispielsweise den Erlkönig, und es vermutlich weniger durchkomponierte Rock- oder Popsongs gibt, als Nadeln in durchschnittlichen Heuhaufen.

Sind alle diese Bedingungen erfüllt, wissen wir zumindest eines: Wir haben diese Art von Musik irgendwo schon einmal gehört und sie hat uns nicht gebissen, weshalb wir ihr auch diesmal mit Vertrauen begegnen. Allerdings auch mit einer gewissen Langeweile, denn um sich wirklich ins Gedächtnis zu graben, müssen Musikstücke auch über ein gewisses Potential an „Merk-Würdigkeiten“ verfügen. Die „Würze“, das, was Musik besonders und damit auch wiedererkennbar macht, besteht also in dem Spiel mit den Stellen, an welchen unsere Erwartungen daran, wie es weitergehen könnte, nicht (oder erst mit Verzögerung) erfüllt werden. Alles andere stumpft uns ab. Wir hören nicht mehr zu.

Anders ausgedrückt: Ein Kind, das gerade dabei ist, ins Land der Träume zu wandern, während ihm sein Vater die lezten Sätze eines Märchens vorliest, die wir vermutlich alle mehr oder weniger im Halbschlaf vor uns hersagen könnten, ist spätestens an der Stelle wieder wach und bei der Sache, an der es heißt „und sie lebten glücklich, bis die Prinzessin ihren Prinzen mit der Küchenhilfe im Heulager erwischte!“.

Das Ende von Beethovens Fünfter ist uns vielleicht gerade deshalb im Gedächtnis geblieben, weil es auf Teufel komm raus nicht eintreten will. Immer wieder nimmt der Luggi Anlauf und arbeitet auf das Ende hin, das er uns dann eben immer wieder vorenthält. Spätestens nach dem vierten Mal erwägt man ernsthaft, dem leicht altersschwachen und gehbehinderten Nebensitzer seinen Krückstock wegzunehmen und ihn ins Orchester, beziehungsweise am besten gleich direkt auf den Dirigenten zu schleudern. Den Krückstock natürlich, nicht den altersschwachen Nebensitzer. Dann wäre wenigstens Ruhe und meine Erwartungen beschränkten sich eher darauf, wie gut ich meine Fähigkeiten einschätze, den guten Herrn von der vierten Parkettreihe aus genau zwischen die Augen zu treffen.

Auch ungewöhnliche Besetzungen graben sich ins Gedächtnis ein. Die Rockband Jethro Tull stellte einen Querflötisten auf die Bühne, was so ziemlich das einzige ist, das ich von den Herren wusste, als ich sie mir das erste Mal anhörte. Und wieviele Streichquartette verlangen bitteschön neben den Musikern nach 4 Helikoptern? Mir zumindest ist nur eines bekannt und ich glaube ehrlich gesagt auch nicht, dass das Beispiel Schule machen wird. Dazu gibt es einfach zu wenige Hobbymusiker, die in ihrem Garten einen Hubschrauberlandeplatz nebst 4 Maschinen und 4 Piloten im engeren Freundeskreis haben. John Cages „Waterwalk“ ist da schon einfacher nachzustellen, einen Wasserkocher, ein Quietscheentchen und eine halbgefüllte Badewanne werden sich schon irgendwie auftreiben lassen. Und trotzdem gehört das Stück nicht zum Standardrepertoire eines durchschnittlichen Musikschülers. Schade eigentlich, immerhin merkt -ob der fehlenden Erwartungshaltung- auch keiner, wenn man sich verspielt.

Erwartungen nicht zu erfüllen, macht ein Stück zwar spannend und bemerkenswert, ist aber bei weitem keine Erfolgsgarantie, denn schließlich soll das Produkt ja nicht einfach nur jeder kennen, sondern am besten auch jeder kaufen. Und dazu muss es sich (zumindest für den Massenmarkt, für den ja aufgrund der Kaufkraft und der damit verbundenen Einnahmen auch hauptsächlich produziert wird) auch einigermaßen schön anhören. Oder, wennschon die Schönheit nicht gegeben ist, wenigstens tanzbar sein, wobei es dann auch ruhig wieder ein ganzes Stück erwartbarer sein darf, schließlich will man beim Tanzen nicht aus dem Takt geraten oder über seine eine eigenen Füße stolpern. Techno mit Einschüben im 9/8-Zakt können wir uns also schonmal abschminken. Leider. Hätte von weitem sicher ganz witzig ausgesehen. Bei Sting ist diese Taktart dagegen durchaus zu finden (“I hung my head”), und selbst die Beatles schafften es, mit einem ihrer berühmtesten Songs völlig aus dem Rahmen zu fallen: “Yesterday” enthält beispielsweise nur 7 statt der üblichen 8 Takte einer Phrase, was zeigt, dass es nicht nur ein bestimmtes Maß an Ungereimtheiten und unerfüllten Erwartungen gibt, sondern auch eine Art Code dafür, wer sich so etwas leisten darf, und wer nicht. Schönberg muss nicht nur nicht tanzbar sein, es würde vermutlich sogar für einiges an Verwirrung sorgen, wenn ein paar schwungvolle Walzer mit Mitsummfaktor entdeckt würden. Mozart hingegen durfte alle Genres bedienen und mit seinem Dissonanzenquartett sogar gegen die Regeln dessen verstoßen, was zu seiner Zeit als schön, richtig und “typisch Mozart” galt. Allerdings schien er ein Gespür dafür zu haben, wieweit er über die Stränge schlagen durfte, ohne es sich mit seinen Hörern zu verderben. Seine Arbeit- und Auftragsgeber zu verprellen, das ist nämlich eine Sache, die man einem Künstler durchaus verzeiht. Sein Publikum vor den Kopf zu stoßen ist hingegen ein Schritt, den man sich gut überlegen sollte, wenn man nicht ohnehin plant, die Musik an den Nagel zu hängen. Radikale Imagewechsel gehen selten gut. Erwartbarkeit spielt also auch, vielleicht sogar gerade da eine Rolle, wo es um den Künstler selbst zu gehen scheint. Und das, obwohl im Grunde allen klar ist, dass der Mensch sich verändert, auch wir selbst, ein Leben lang.


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Wie zu erwarten war :) konnte ich das programm nicht dazu überreden, einen unserer Songs hier einzubetten, deshalb folgt hier der "normale" Link:

 Sommer im Garten, wohl 20 Arten von Rosen, Tulpen und Narzissen...
Das Schweinchen im Vordergrund hat denTierarzt und mich die letzten 3 Wochen lang
in Atem gehalten.


                                          Am Auensee im Auenland :)

Dienstag, 24. Mai 2016

So langsam wie möglich: John Cage in Halberstadt


Über John Cage, den Doctor Who der Musik, kann man ja viel sagen. Gutes und Schlechtes, abhängig vom eigenen Geschmack und dem Willen, auch außergewöhnliche Weltanschauungen zuzulassen. Man kann ihm krankhaften Provokationsdrang vorwerfen, Unbezähm- und Unbelehrbarkeit, man kann sogar an seinem Verstand zweifeln. Nur eines kann man ihm wohl nicht ankreiden: Das Bandwagon- Syndrom; das mainstreamgeprägte Verhalten, auf jeden Zug aufzuspringen, der gerade Fahrt aufnimmt. Cage sprang auf überhaupt keinen Zug auf. 
Ganz Sohn des Erfinders John Cage, dessen Erfindungsreichtum offensichtlich am Ende angekommen war, als es darum ging, einen Namen für sein Kind auszuwählen und der deshalb flugs seinen eigenen reproduzierte, konstruierte Cage seine Züge selbst und stellte dabei gleich die gesamte Idee eines Schienensystems infrage. Hätte John Cage tatsächlich – wie sein Vater – sein Geld nicht als Komponist, sondern als Ingenieur verdient, hätte er seine Züge vermutlich übers Wasser fahren lassen. Natürlich wären sie dabei gnadenlos untergegangen, aber erstens gibt es meines Wissens keine Bibelstelle oder sonst eine unumstößliche Aussage darüber, dass der Lebens- oder besser „Existenzzweck“ eines Zuges im Erreichen des Zielbahnhofes besteht, und zweitens hätte Cage die ganze Geschichte vermutlich zum Anlass genommen, den Untergang des menschlichen Schaffens an sich zu zelebrieren und die Frage in den Raum zu stellen, inwiefern man bereits glaubt, eine Art Schöpfer zu sein, nur weil man mit Ach, Krach und zehn Dosen Locktight in der Lage ist, Dinge zu erschaffen, die ein paar lebensnahe Funktionen wie Energieaufnahme und -Verbrennung (=Stoffwechsel), Bewegung, Funktionszeitraum (=Lebenszeit) und deren Ende (=Tod) aufweisen. 
Die Antwort liegt, wie so vieles, im persönlichen Empfinden des Einzelnen und sagt damit vermutlich mehr über den Zuschauer, bzw. -Hörer aus, als über den Ingenieur oder Komponisten der ganzen Geschichte.
Die Idee, sich selbst als Komponisten aus dem Geschehen auszuklinken und die ganze Sache wahlweise dem ausführenden Musiker oder gleich dem Publikum vor die Füße zu knallen, finden wir bei Cage häufiger, als wir denken sollten. 
In einer Welt, in der alles zunehmend reglementiert, verschriftlicht, formatiert, mittels Computerprogrammen gespeichert und somit endlos und unverändert reproduzierbar wird, sah er die Kunst im Einmaligen, Zufälligen, Natürlichen, Unwiederholbaren. Wind, der durch die Bäume streicht, kann somit ebenso zu Musik erklärt werden, wie ein protestierender Zuhörer, der wütend vor sich hinschimpfend den Konzertsaal verlässt. 
Dass er gerade damit zur Musik und damit zum Gelingen der ganzen Aktion beiträgt, ist vermutlich der Witz an der ganzen Sache. Ein bisschen wie ein Virus, der erst durch die Impfung gegen denselben aktiviert wird. Gnadenlos genial.
Aber Cage spielt nicht nur mit unserer Vorstellung von Logik, auch die Frage nach der Wahrnehmung von Musik an sich schien ihn nicht loslassen zu wollen. Einige der wichtigsten Parameter, mit denen er sich dabei auseinanderzusetzen hatte, waren sicherlich unser Empfinden von Lautstärke und Tonhöhen. 
Die Arbeit an der Frage nach dem Phänomen der Stille brachte ihn unter anderem in den schalltoten (schallgedämpften) Raum der Universität Harvard, wo er am eigenen Leib erfahren musste, dass Stille für Menschen nicht wahrnehmbar ist. 
Grund dafür ist die Tatsache, dass Nervenzellen nicht einfach „nichts“ machen und in aller Ruhe ihre Hausaufgaben erledigen können, wenn sie einmal nicht gebraucht werden. Die Dinger sind nämlich kleine Streber, die sich immerzu melden und ihre neuesten Wahrnehmungen weiterpetzen wollen. Und wo keine sind, da denken sie sich eben welche aus. Nervenzellen, die auf Außenreize angewiesen sind, beginnen also, diese selbstständig zu produzieren, die Insassen des schalltoten Raums halluzinieren also und hören sozusagen weiße Mäuse. In seinem vielleicht berühmtesten Stück, 4' 33'' trickst er unsere Erwartungen an den Ton dann scheinbar aus, indem er gar keine Töne in das Stück hineinschreibt, aber gleichzeitig davon ausgeht, dass Umgebung und Publikum ihrerseits für ausreichend Geräuschkulisse sorgen werden. Was, wann und wie dabei geschieht, bleibt dem Zufall überlassen und gehört somit zu der von Absichtslosigkeit gekennzeichneten, wenn nicht sogar produzierten Musik.
Einen großen Schritt weiter geht das Stück 0' 00'', das -im Gegensatz zu 4' 33'' – überhaupt keine Vorschriften bezüglich Länge oder Tonproduktion macht. 
Es ist ein „Alles-kannn, nichts-muss-Stück“, bei dem es dem Musiker frei steht, ob und was er tun möchte. Und wie lange er dazu benötigt. Ganz anders als 4' 33'' scheint es hier für den Zuhörer nichts zu geben, woran er sich halten kann, im Endeffekt weiß er nie genau, ob und wann er vor Schreck über einen unerwarteten Ton von Stuhl fällt und ob er überhaupt noch einmal wieder nach hause kommt, denn theoretisch könnte das Stück ja ewig so weitergehen. Womit wir – halleluja – den Bogen zu dem Stück geschlagen hätten, von dem ich heute eigentlich sprechen wollte: Organ², auch bekannt als ASLSP (As Slowly aS Possible), dem Stück, das in seiner Halberstädter Form im September 2010 begonnen wurde und sich über 639 Jahre erstrecken wird (solange niemand zwischenzeitlich auf die Idee kommt, sich einen der Blasebälge auszuleihen oder einen Stromausfall zu produzieren.
 
Cage selbst gab keinerlei Erklärung dazu ab, wie langsam, denn nun so langsam wie möglich zu sein hatte, um einigermaßen durchzugehen. Wie sehr sich das Empfinden für Geschwindigkeit unterscheiden kann, sieht man, wenn man mit einem Fahrrad eine Straße hinunterfährt und dabei etwa 30 km/h in die Pedale schleudert. Jup, es ist relativ schnell, Feierabenverkehr, Sonntagsfahrer und „Smombies“ (scheinbar orientierungslos herumeiernde Fußgänger mit Ohrstöpseln und Smartphone) machen das ganze gefühlt noch ein bisschen schneller, da gefährlicher. In meiner Schulzeit hatte ich es morgens des Öfteren mal unfassbar eilig und hätte meine Mutter, die sich strikt an die 30km/h-Vorschrift in der gefühlt 100Km langen Straße zum Schulkomplex jedesmal aus dem Wagen zerren und selbst das Steuer übernehmen wollen, so unglaublich langsam war dieselbe Geschwindigkeit in diesem Moment. Meinen griechischen Exmann nannte ich früher übrigens „Helona“, was das griechische Wort für Schildkröte ist, weil ich es manchmal kaum glauben konnte, wie lange er an den einfachsten Dingen herumwerkelte... nunja, er nannte mich Frau Ungeduld...falls sich jemand wundern sollte, weshalb wir nicht mehr zusammen sind …..
Kurz gesagt: Ein Bratschist, der die Orgel übernimmt, hat vermutlich eine andere Vorstellung davon, was „So langsam wie möglich“ ist, als ein Organist, der ganz dringend zur Toilette muss. Bei der Uraufführung im Jahr 1989 wurde dem Organisten nach 29 Minuten der Arm lahm, 2009 brachte es Diane Luchese bereits auf 14 Stunden und 56 Minuten, der nächste machte dann 24 Stunden daraus und arbeitet bereits an 48 (vermutlich testet er zwischenzeitlich, wieviel man trinken kann, um nicht zu verdursten, dabei aber alleine durch Verdunstung dem Toilettengang zu entgehen). Von daher ist die Halberstädter Aufführung auch eine kleine Schummelei, denn natürlich sitzt nicht durchgehend ein und derselbe Organist an diesem Stück, segnet dann irgendwann zwischen dem a' und dem e' (geplant ist der Wechsel für das Jahr 2027) das Zeitliche und mottet auf seiner Holzbank fröhlich vor sich hin. In Halberstadt hängen Säcke mit Gewichten an den Tasten. Und die müssen nicht aufs Klo. In 639 Jahren nicht.


 So sieht eine "Food-Fear-Challenge" in etwa aus... wir probieren etwas, das wir eigentlich nicht leiden können, um zu sehen, ob es nicht doch essbar ist... rote Bete aus dem Glas beispielsweise...
...wobei das Ergebnis doch relativ eindeutig ist...





Dienstag, 17. Mai 2016

Ring, Ring... von Tinnitus und Smetana und anderen störenden Nebengeräuschen



Wenn ich heute zurückdenke, bin ich ja fast der Meinung, als junges Mädchen kurz vor dem Abitur ein geregeltes Leben ohne allzuviel Stress geführt zu haben. Aber vermutlich ist das nur die Blödheit des Alters, das da aus mir spricht. Klar, Mietsorgen hatte ich damals nicht, auch mein weiteres Leben war einigermaßen überschaubar, zumindest, was die folgenden Jahre (Abi, Studium, notwendige Auslandsaufenthalte) betraf, meine Eltern gab es beide noch und Falten hatte ich auch noch keine aufzuweisen. Trotzdem wachte ich eines Morgens auf und erlebte den Beginn der großen Gregorianik in meinem Kopf, die mich noch einige Wochen lang begleiten sollte: Alles, was an akustischen Geschehnissen um mich herum vorging, hörte ich mehrstimmig. Gespräche zu führen, war wie ein terzverschobenes Parallelorganum, eine Art Antiphon (er singt, sie singt), bei dem ich jedesmal versucht war, ein Alleluja anzuhängen, um dem ganzen einen würdigen Abschluss zu verleihen. Nach ein paar Tagen wurden aus 2 dann 3 Stimmen und wieder ein paar Tage danach hielt ich meine Diagnose in der Hand. Hörsturz.

Seitdem glauben meine Ohren, mich ärgern zu dürfen. Vielleicht, weil ich damals gemerkt habe, wie wichtig sie mir waren und sie sich nun in Sicherheit wiegen konnten, dass ich niemals einen Van-Gogh abziehen und sie hinauswerfen (oder wahlweise, wie der gute Vincent, in Papier einwickeln und an meine große Liebe schicken) würde. Je nachdem, wie ich oder sie so drauf sind, piepsen sie mir gerne mal etwas vor, jammern bei allem, was sich schön anhört „Also weißt Du, Fröken, das ist vieeel zu laut!“ und finden es offensichtlich lustig, vorzugsweise dann, wenn man sich auf Geräusche konzentrieren möchte, die große Charles-Ives-Klangcollage in meinem Kopf anzuwerfen.


Dass der Tinnitus ein A******och ist, wusste schon Friedrich (wahlweise Bedrich ) Smetana, der seinen eigenen Tinnitus mit den folgenden Worten beschrieb: "Die größte Qual bereitet mir das fast ununterbrochene Getöse im Inneren, das mir im Kopf braust und sich bisweilen zu einem stürmischen Gerassel steigert. Dieses Dröhnen durchdringt ein Gekreisch von Stimmen, das mit einem falschen Zischen beginnt und bis zu einem furchtbaren Gekreisch ansteigt, als ob Furien und alle bösen Geister auf mich losfahren würden."

Teilweise können wir beide uns da die Hand reichen, vor allem, wenn ich mich wieder einmal in einer akuten Stressphase befinde (nun raten wir alle ein mal ganz schnell, weshalb ich ausgerechnet jetzt mit ausgerechnet diesem Thema um die Ecke komme? Jup, Volltreffer!), teilweise muss ich jedoch sagen, dass ich ganz froh bin, dass die Regeln der Gastfreundschaft innerhalb des Innenohres nicht gelten und Smetanas Tinnitus nicht mein Tinnitus ist.
 

Von der Tonhöhe her hört sich mein Ohrgeräusch sich an wie Grillen an einem Sommerabend. Wenn ich gestresst bin, nenne ich das Ganze auch mal gerne „Walhalla“, weil dann das große Hallen beginnt (mal rein ausgehend von dem Echo, das innerhalb meines Kopfes möglich ist, scheine ich da drin also eine ganze Menge Platz zu haben... da hat wohl wieder mal jemand das ganze Stroh verbraucht, ohne neues zu bestellen...), was die Zikaden mit ihrem Gezirpe betrifft, haben wir uns einigermaßen arrangiert, das ist auch eine ganz große Frage der Konzentration, Echo finde ich allerdings nur in der allegorisierten Form bei Purcell wirklich gut. Musikalisch wurde das Phänomen selten so wunderbar umgesetzt: Hier und hier.

Den Tinnitus in einem Musikstück zu verbraten, das schaffte der genannte Bedrich in seinem Streichquartett Nr. 1 „Aus meinem Leben“  – oder viellleicht doch eher „Aus meinem Innenohr“, wobei der Tinnitus ja gar nicht dort entsteht, weshalb es sich als ziemlich sinnlose Selbstverstümmelungsmaßnahme herausstellte, dass sich Menschen, die ihren Tinnitus nicht mehr ertragen konten, früher den Hörnerv operativ durchtrennen ließen. Sie waren danach zwar einerseits taub, hatten aber andererseits den dämlichen Tinnituston weiterhin im Ohr. Die ganze Prozedur war also ungefähr so effektiv, wie sich Botox in die Sehnerven zu spritzen, um einen bestimmten Typen in wiederkehrenden Träumen nicht mehr sehen zu müssen.

Wie Tinnitus entsteht, versteht man besser, wenn man sich mit der Idee der sensorischen Deprivation auseinandergesetzt hat (hier schon einmal behandelt), in der Kurzform: Wie sind weit mehr auf unser Gehör angewiesen, als wir glauben mögen. Die meisten Menschen glauben, mit Taubheit besser umgehen zu können, als mit Blindheit, was vermutlich damit zusammenhängt, dass sich unsere Kultur nur deshalb in dieser Form entwickeln konnte, weil wir irgendwann aufgehört haben, uns auf mündliche Überlieferungen zu verlassen und unsere Geschichte verschriftlicht haben. So brauchte man nicht immer alles von neuem zu erzählen oder nach jemandem zu suchen, der sich mit der ganzen Misere auskannte, vor der man gerade verzweifelte, sondern konnte sich Notizen machen, eine Bibliothek besuchen oder mal eben schnell bei Wikihow nachschlagen, wie das mit dem Eintreten einer Türe oder dem Spielen des Cembalos, das ohne Verschriftlichung der Musik in Notenform auch eine ganz andere (nicht unbedingt schlechtere) Spiel- und Improvisationspraxis erleben würde) nochmal funktioniert hat. Jup, in den letzten Jahrhunderten ist die Wichtigkeit unseres Sehvermögens grandios angestiegen. Dass das Gehör allerdings, was das nackte Überleben angeht, eine mindestens ebenso große, wenn nicht sogar viel größere Rolle spielt, zeigt schon die Tatsache, dass wir unsere Augen schließen können, unsere Ohrn aber nicht. Was uns nachts weckt und unter Umständen das Leben rettet, weil die Bude brennt oder ein Säbelzahntiger zu Besuch gekommen ist, das ist unser Gehör. Oder hat schon einmal jemand versucht, einem Schlafenden so lange Photos unter die Nase zu halten, bis derjenige davon erwachte?

Auch was die Reichweite betrifft, so sind wir aufgeschmissen, sobald wir uns nur auf unsere Augen verlassen: Sofern wir nicht gerade wie Polykrates auf unseres Daches Zinnen stehen und auf das beherrschte Samos hin schauen, oder irgendwo im Mastkorb auf dem Ozean vor uns hinschaukeln, ist unser Sichtfeld vermutlich nicht besonders groß. Ich sitze hier gerade auf meinem Bett und starre die Gegenüberliegende Wand an. Nach 3 Metern ist also Schluss mit dem Sehen, was sich dahinter befindet, kann ich nicht sehen, wohl aber hören, was wieder einmal zeigt, wie unterschiedlich der Terminus „Zimmerlautstärke“ ausgelegt werden kann. Jedenfalls hören wir hinter Wände und Bäume, über weite Strecken hinweg, wir hören, was hinter uns ist, was sich gerade von ferne nähert, was direkt neben uns wummert und was sich von uns entfernt. Wir höre die Autobahn, die 7 km von unserem Schlafzimmer entfernt ist und die Katze, die sich schnurrend unter dem Bett versteckt. 

Und wenn wir nichts hören, weil uns jemand den Ton abgedreht , uns in eine schalldichte Kammer gesperrt, oder unsere Hörzellen überstrapaziert hat, dann denken sich unsere Zellen eben einfach Geräusche aus. Ihnen ist also schlichtweg langweilig und sie wollen wieder mitspielen dürfen. Sind nun nur bestimmte Zellen geschädigt, dann mauscheln die sich so durch, indem sie entweder bei heilgebliebenen Zellen in der Umgebung anklopfen und nachfragen, was denn gerade so läuft (Antwort heile Zelle: „456 Hz und bei Dir so?“ Geschädigte Zelle: „Oooch nix... naja, ich geh dann mal wieder...hey, Gehirn, ich hab ne Info für Dich: Hier wurden eben 456 Hz gemeldet. Bin ich jetzt Dein Star? Immerhin hab ich das zuerst gemeldet!“). Als Folge sind dann entweder diese Frequenzen im Gehirn überrepräsentiert und werden dann auch entsprechend laut weitergegeben ( → das berühmte Pfeifen im Ohr), oder die Zellen lügen ganz einfach was das Zeug hält und geben ihre bisherigen Informationen (jede Hörzelle ist immer nur für einen bestimmten Frequenzbereich zuständig, die kleinen Eumel sind leider nicht multitaskingfähig) so weiter, als würden sie sie immer noch hören, wobei sie ganz einfach raten müssen, ob das Gepiepse nun tatsächlich präsent ist. Und unsere armen grauen Zellen wissen zwar ganz genau, dass irgend etwas im Busch ist, müssen aber trotzdem versuchen, den Laden irgendwie am laufen zu halten und erzählen dem armen Hörer daher einen vom Pferd. Oder von der Rassel. Und bei der Märchenstunde sind sogar Gehirnareale beteiligt, die zunächst einmal gar nichts mit dem Hörphänomen zu tun haben, aber unbedingt auch mitspielen wollen, weshalb das Ganze so effektiv zu sein scheint. "Viele Hände, schnelles Ende" sagt man ja nicht umsonst. Im Tinnitusfall wäre das dann wohl "Viele Zellen, lautes Bellen!" ... die Zusammenarbeit beim chronischem Phantomhören  funktioniert in diesem Fall ungefähr genauso, wie die Verarbeitung von chronischen Phantomschmerzen. Ausgehend davon, wie viele Zellen da plötzlich kommunizieren und sich einen Spaß daraus machen, Unwahrheiten zu verbreiten, plädiere ich dafür, den Tinnitus ab sofort in "Akustisches Mobbing" umzubenennen und im Gehirn strafrechtlich zu verfolgen.
Dann hätte er wenigstens Schadensersatz bekommen, der gute Smetana, mit seinem von einem Gekreisch von Stimmen durchdrungenen Dröhnen. Schön klingt vermutlich anders, aber, je länger ich mir das Streichquartett anhöre, desto eher wäre ich bereit, vielleicht doch mit Smetana zu tauschen. Denn insgesamt klingt es doch wieder ziemlich schön. Man muss so einen Tinnitus also nur in den passen tonalen Kontext setzen, dann ist sogar ein Pfeifen im Ohr Kunst. Ziemlich tolle sogar.


                        Es ist nichts wirklich kuschelig oder bequem, 
                       solange der Bauch nicht angewärmt wird.
                    Watt will'se, Zweibein? Bleib so liegen, ich rühr mich jetzt nicht!

 Das Medikamentenarsenal gehörte einem Meerschweinchen, das den Kampf leider verloren hat. Es ist auch nicht immer alles schön im Finemangtal.
 Dafür darf man sich dann ab und zu auch wieder aufbrezeln und in die Oper fahren.




Dienstag, 10. Mai 2016

The Rhythm of my Heart


Allen Unkenrufen und Meteorologen zu Trotz: So langsam wird es doch wärmer in unseren Gefilden. Und mit der Wärme kommen die Zugvögel zurück. Alle Vöglein sind zwar noch nicht ganz da, befinden sich aber gewissermaßen in der Einflugschneise. Es ist Hauptrückreisezeit. Der Nistkasten für die kommende Saison ist gebucht, die Anzahl der Eier in der Diskussion mit dem Partner, und spätestens in der Woche nach dem Einzug wird er losgehen: Der Run auf nestgeeignete Zweige und Polstermaterial.
Und trotzdem ist es friedlich am Himmel, staut sich nichts beim Umfliegen der Gewitterwolke, sind sie im perfekten Formationsflug unterwegs, einschließlich synchronisiertem Flügelschlag, unter perfekter Einhaltung der vorgegebenen Fluggeschwindigkeit.
Und die selbsternannte Krone der Schöpfung? Die schafft es nicht einmal über das Kamener Kreuz zu fahren, über einen Weihnachtsmarkt (oder auch nur durch einen Supermarkt) zu gehen, ein Konzert zu besuchen oder 90 Minuten lang Fußball zu spielen (und dabei haben die 22 Hänslein auf ihren 10 Quadratkilometern (kein Witz, 120x90m) eigentlich ausreichend Platz zur Verfügung), ohne ständig übereinander zu stolpern, ineinander zu rempeln oder sich sonstwie zu verletzen. Bekanntlich sterben bei Massenpaniken zumeist mehr Leute an ihren alles niedertrampelnden Mitflüchtern als an dem Ereignis, das die Flucht ursprünglich ausgelöst hat. Menschen sind eben nur bedingt herdentauglich. Sehr bedingt.
Würden Pferde so fliehen, bräuchten die Schakale, die sie jagen, ganz einfach nur „Buh!“ zu rufen und danach die herumliegenden Kadaver aufzusammeln; Vögel, die beim Fliegen ständig ineinanderrasseln, würden vom Himmel fallen wie Kamelle beim Karneval in Köln und somit Bandnamen wie „Abstürzende Brieftauben“ erklären. Dass es Katzen und Hunde regnet, habe ich in England des öfteren erlebt, „Es regnet Haubenlerchen“ oder Blaumeisen, oder Klapperstörche, das wäre mir neu. Und sicher nicht besonders angenehm, zumal Störche ziemlich spitze Schnäbel haben.
Offensichtlich fehlt uns etwas, über das andere Herdentiere verfügen: Die Fähigkeit, aufeinander zu achten, zu gucken, was um uns herum passiert, und aufeinander ein- und zu verlassen, anstatt das eigene Leben zu retten und blind durch die Gegend zu pesen wie die Schlümpfe, wenn Gargamel das Dorf entdeckt.
Wenn Menschen irgendetwas synchron veranstalten wollen, dann brauchen sie dazu gewissermaßen
einen Taktgeber. Am besten jemanden, der vor ihnen steht und mit einem Taktstock herumfuchtelt, idealerweise damit auf den Boden schlägt, dass die Bude wackelt, denn auf hörbare Schläge reagieren wir erwiesenermaßen besser als auf Lichtsignale oder Handzeichen. Früher waren Taktstöcke deshalb auch noch groß und schwer und zum Herumdonnern geeignet, eher so, wie man sie heute noch von Spielmannszügen kennt. Damit aufgehört hat man übrigens nicht, nachdem sich der liebe Herr Lully das Ding in den eigenen Fuß gerammt hat und kurze Zeit danach an den Verletzungen verendet ist, sondern als Carl Maria von Weber im Jahr 1817 erstmals auf die Idee kam, es müsse auch mit einer Taschenversion funktionieren. Vielleicht hatte er ja keine Lust mehr, ständig so einen schweren Brecher mit sich herumzuschleppen, vielleicht fand er das kleine Dig aucj ganz einfach praktischer, wenn es darum ging, weitere musikalische Eigenschaften, wie Sanftheit, leises Hineinschleichen in die Töne oder einen lauten, wirkungsvollen Tuttieinsatz anzuzeigen, denn die Rolle des Dirigenten hatte ihre eigene Evolution hinter sich gebracht und war längst überdas bloße Taktgeben hinausgewachsen.
Dabei war Lully übrigens nicht der Einzige, der sich mit seinem eigenen Taktstock erstach: Steven Sloane, der Dirigent der Bochumer Sinfoniker, rammte sich seinen (modernen kleinen) Zauberstab bei einer Probe im Jahr 2012 volle Kanne in die Hand und musste daraufhin operiert werden. Offensichtlich schaffen wir Menschen es zuweilen nicht einmal unsere eigenen Körperteile halbwegs zusammenstoßfrei zu bewegen, und das, wo der Dirigent das Taktgefühl doch eigentlich gepachtet haben sollte und unser Rhythmusempfinden sich allem Anschein nach (wie die meisten Dinge, die mit dem Ohr in Zusammenhang stehen) direkt aus dem Gleichgewichtssystem entwickelt hat. .
Deswegen sind unsere Bewegungen auch direkt an einen Rhythmus gekoppelt, zucken schon Säuglinge rhythmisch mit den Gliedern, wenn sie Musik vorgespielt bekommen, geraten wir ins Stolpern, wenn wir sozusagen „aus dem Takt“ kommen.
Das Phänomen der still sitzenden Menschen, die Musik hören, ohne den „Beat“ auch mit ihren Körper zu fühlen, scheint übrigens auf unsere westliche Musikkultur beschränkt zu sein. Irgendwann im Laufe unserer Kindheit wird uns das musikalische Gezappel und Geschwinge wohl aberzogen und damit nehmen die Probleme ihren Lauf, denn nicht nur die Musik, auch Sprache selbst hat ihren Rhythmus. Wörter, Betonungen, Laute, all das verkäme zu einem unverständlichen Geleiere, wären wir nicht in der Lage, entsprechend zu betonen. Und damit machen wir mal wieder einen kleinen Sprung ins Tierreich: Wer kein Rhythmusgefühl hat, kann auch nicht tanzen, richtig? Und nun zur Preisfrage: Können Tiere tanzen? Und wenn ja: Welche?
Dass das Rhythmusgefühl mit dem Gleichgewichtssinn und somit auch dem Gehör verbunden ist (denn genau dort sitzt ja unser Gleichgewichtssinn), haben wir bereits abgehakt. Auch das Sprachzentrum spielt eine Rolle. Und da haben wir auch schon unsere Antwort: Tiere haben nur dann ein Rhythmusgefühl, wenn sie Rhythmen auch als wichtigen Bestandteil der Lautäußerung benötigen. Und dazu zählen vorrangig die Tiere, die andere Geräusche und Sprachen imitieren können, denn genau das funktioniert nicht, wenn man die Rhythmen nicht mit übernimmt. Daher sind Vögel auch die besten Tänzer, und ganz besonders die Arten, die Geräusche imitieren können, also Beos und Papageienvögel. Dieser Kerl hier machte gleich mit einer ganzen Serie von Tänzen Furore, während jener Piepmatz weiß, an welchen Stellen eines Musikstücks sein Einsatz kommt. 
Übrigens ist die Verbindung zwischen Rhythmik und Sprache so eng, dass Kinder, die Schwierigkeiten zeigen, einen Takt zu halten oder ein Lied durch rasseln oder trommeln zu begleiten, in der Schule häufiger Auffälligkeiten beim Lesen und Schreiben zeigen. Teilweise wird sogar darüber nachgedacht, Lese-Rechtschreibschwächen vorzubeugen, indem man die rhythmischen Fähigkeiten von Kindern schon früh fördert. Dass diese sich erlernen und durch Üben eklatant verbessern lassen, sieht man übrigens daran, dass Kinder aus Kulturen, in denen die Musikstücke rhythmischer und Percussionsintrumente verbreiteter sind (südamerikanische Staaten beispielsweise), erheblich seltener „rausfliegen“, wenn es darum geht, irgendwo mitzuklatschen.
Nun mag man meinen, die Klatscherei stelle kein Problem dar und sei vollkommen unabhängig von jeglicher Vorbildung sofort ausführbar, immerhin schaffen es ganze Fußballstadien zu einem festen Rhythmus zu klatschen, zu skandieren, zu singen, und dies tatsächlich ohne weitere Instruktionen. Insofern schaffen wir es tatsächlich, uns aneinander anzugleichen, andererseits gibt es durchaus Menschen, die steif und fest behaupten, nicht tanzen zu können, da sie keinerlei Rhythmusgefühl besitzen. Ganz ehrlich: Ich halte mindestens drei Viertel dieser Geschichten für absolut dumme Ausreden, um nicht tanzen zu müssen, was allerdings weniger mit einem fehlenden Rhythmusgefühl zu tun hat, als vielmehr mit der Tatsache, dass Männern die Koordination ihrer Bewegungen wesentlich schwerer fällt als Frauen (Arme und Beine gleichzeitig zu bewegen und dabei darauf zu achten, niemanden über den Haufen zu walzen ist gewissermaßen Multitasking und bedarf der Übung), es gibt allerdings (genau wie es die Anhedonie gibt, bei welcher man einen Trauermarsch und ein Tanzlied als gefühlsmäßig gleich nichtssagend beschreibt, weil ganz einfach die Fähigkeit fehlt, Gefühle mit bestimmten musikalischen Strukturen zu verbinden), ein Krankheitsbild, welches sich kongenitale oder angeborene Amusie nennt und tatsächlich bedeutet, dass jemand absolut unfähig ist, auch nur einen Grundschlag aus der Musik herauszuhören, die gerade läuft. Zwar sind diese Menschen zumeist durchaus in der Lage, mit dem Fuß mitzuklopfen, wenn man ihnen ein Metronom vor die Nase stellt, sobald jedoch weitere musikalische Elemente dazukommen, ist es Essig mit dem rhythmischen Fußwippen. Dass nun ausgerechnet der eigene Tischherr bei einer Tanzveranstaltung zu den vermutlich weit unter 4% der Weltbevölkerung zählt, die tatsächlich nicht tanzen können, ist allerdings schon sehr unwahrscheinlich. Statistisch gesehen wäre es um einiges wahrscheinlicher, jemanden zu erwischen, dessen Nase das Ergebnis einer Schönheitsoperation ist (das sind immerhin 8% der Männer). Aber wenn man rein nach der Statistik geht, essen auch 15% der Männer ihre Popel oder haben dies zumindest schon einmal getan.... vielleicht wäre es am sichersten, den Herrn mit einer guten Ausrede mit sich, seiner Amusie und seinen Popeln alleine zu lassen, sich ein Taxi zu rufen und schnellstens nach hause zu fahren. Vielleicht kann man ja am nächsten Abend mit der besten Freundin tanzen gehen. Frauen haben das Problem mit dem Rhythmus nämlich bedeutend seltener. Und das größere Sichtfeld (zwecks Zusammenrasselns) haben sie auch. So gesehen: 1-2-3-4, ich geh tanzen, was macht ihr?

 Statistisch gesehen gibt es auch viel mehr Katzen in diesem Haus als Menschen... eigentlich ein Wunder, dass ich häufiger auf Fotos zu sehen bin, obwohl es mich doch nur einmal gibt... oder machen die Katzen ihre Arbeit vielleicht hinter der Kamera und schießen die Bilder?

You make me feel like dancing....

                                                                        Kaninchengucken




Dienstag, 3. Mai 2016

Rock me, Johann Sebastian - braucht man Bach, um Pop zu machen?




Es geschah während eines Blockseminars an einem Wochenende: Eine Teilnehmerin, die selbst in der Popbranche tätig ist, und ich gerieten mitsamt Dozenten (die arme Socke, der hatte es sicher nicht leicht mit uns) in eine Diskussion über die Frage, ob man Musiker wie Bach getrost in die Tonne kloppen kann, wenn man nur vorhat, sich mit Popularmusik zu beschäftigen, oder ob der Herr B. Auch in diesem Fachbereich die Grundlage für alles ist.
Meine Einstellung zu diesem Thema dürfte der geneigten Leserschaft mittlerweile ja hinlänglich bekannt sein: Meiner Meinung nach kann man vermutlich nicht einmal vernünftig husten oder schnarchen, wenn man die Grundlage, also den Johann Sebastian, nicht verinnerlicht hat. Meine Gesprächspartnerin sah das Ganze etwas anders und der Herr Analyselektor (Amboss, der Analysator...für alle die, die die Ottofilme noch kennen) saß zwischendrin, lauschte unserer „Argumentation“ („Ohne Bach und Werckmeister hättet ihr nicht mal alle Tonarten!“ „Hör auf, mich überzeugen zu wollen! Du Bach-Groupie!“) und blickte irgendwann nur noch von einer zur anderen. Verzweifelt. In schiss-Moll.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, sobald ich die Haustüre hinter mir geschlossen hatte, alles herauszukramen, was in den Bereich der Popmusik fällt, aber auf meinem „Schwiegervater“ (wie J.S. Bach mir gegenüber zuweilen bezeichnet wird, weil ich ja so für seinen Ältesten schwärme) beruht, und die Ergebnisse schnellstmöglich, mit zahlreichen hämisch grinsenden Smileys versehen, durch das Internet in ihre Richtung zu jagen, aber mit dieser Fülle von direkten Zitaten hätte ich dabei tatsächlich selbst nicht gerechnet.
Was dies betrifft, hätte ich viel eher auf Kontrapunkt, Fugato im Jazz, Improvisationstechniken, typische Harmoniefolgen oder ähnliches getippt, aber wie häufig man dem guten Mann doch tatsächlich mehr oder weniger im Original begegnet, das hat mich selbst überrascht.
In diesem Beitrag hatte ich die Progressive-Rock-Band Vertreter Ekseption je bereits erwähnt und eines ihrer Videos nebst Toccata und Fuge in d-Moll BWV 565 verlinkt (jup, das war das mit den geblümten Printleggins), dasselbe Stück fand allerdings auch weiterhin Verwendung im Bereich der populären Musik:
2 Unlimited gehört jetzt so ungefähr zum letzten Kader, bei dem ich erwartet hätte, etwas von Bach zu finden, und die Kostümierung finde ich gelinde gesagt gewöhnungsbedürftig (dieser Po gleich zu Beginn.... * schüttel * … Leggins scheinen bei bachorgelnden Männern offenbar große Mode zu sein. Der Herr Sagichnicht behauptet zum Glück von sich selbst, kein großer Organist zu sein, daher wird mir sein Anblick in glänzenden Gymnastikhosen vermutlich erspart bleiben), aber den Bach hat er drauf, da kann man nichts sagen! Klick hier!
Wem Ekseption und die beiden Grenzenlosen noch nicht reichen, der kannsich das Ganze auch (etwas langsamer) bei Sky anhören, auf der E-Gitarre bekommen wir es hier unter dem etwas irreführenden Titel „Dracula-Theme“ vorgesetzt  (da muss ich wohl den einen oder anderen Film verschlafen haben) und, ich muss zugeben, die Gitarre „fegt“ (wie die Schweizer zu sagen pflegen), allerdings gibt es auch eine ganze Menge weiterer Stücke, die es in die Charts geschafft haben.

Bachs „Jesu bleibet meine Freude“ ist sowohl Bestandteil von „LadyLynda“ der Beach Boys  als auch von Apollo 100s Song „Joy“ (der nicht umsonst so heißt, immerhin nennt sich die Kantate in der englischen Übersetzung „Jesu Joy of man's desiring“), wobei die Apollo-Version definitiv mehr rockt als die lahme Beach-Boys-Variante. Wer die beiden Bach-Adaptionen im Kontrast hört, kann nachvollziehen, dass sich der 2. Leadsänger der Strandjungs, Brian Wilson, der Legende nach eines Tages einfach ins Bett legte und ein gesamtes Jahr in den Federn verbrachte. Wenn ich mir Lady Lynda anhöre, möchte ich jedenfalls dasselbe tun. Schlaf gut, Brian.

Verwirrend wird es, wenn es um die Menuette geht, insbesondere diejenigen, die sich zwar in Anna Magdalena Bachs Notenbüchlein befinden, aber, wie man heute zu wissen glaubt, nicht von Bach stammen. Wobei man, was dieses Notenbuch betrifft, ohnehin feststellen muss, dass da nicht der nette Sebastian allabendlich herumgesessen und seiner Ehefrau Liebesbezeugungen in Form von
kleinen Musikstücken geschrieben hat, so wie andere Männer (mein ehemaliger Professor für historische Musikwissenschaft beispielsweise) ihrer Frau abends Gedichte vorlesen oder andere Rituale pflegen, sondern das Ding wohl von sämtlichen Familienmitgliedern genutzt wurde, um schnelle Ideen zu notieren, bestimmte Kompositionstechniken zu üben, das begonnene Stück eines Bruders, einer Schwester oder eines Elternteils zu vervollständigen...die Urheberschaft innerhalb der Bachfamilie zu klären, würde einen Gema-Inspektor vermutlich in den Selbstmord treiben. Jedenfalls wird das Menuett in G-Dur , von dem hier die Rede ist, nicht nur von den Toys verarbeitet (und dabei in einen vieltanzbareren 4/4-Takt gesetzt), was ich ja längst hier beschrieben hatte, sondern (wie ich selbst erst vor ein paar Stunden erfahren musste) in einer deutschen Version endgültig zu Tode geprügelt: 

Love is all you need von den Beatles klingt nun wieder so gar nicht nach Bach, nicht wahr? Obwohl ein Mann, der es geschafft hat, 20 Kinder in die Welt zu setzen, das vielleicht sogar zu seinem Familienmotto hätte machen können, nur leider hieß das ja schon Soli Deo Gloria... jedenfalls scheint der Song zunächst meilenweit vom Bachschen Repertoire entfernt zu sein. Hört man sich in dieser Aufnahme ab etwa 2.55 die Trompetenstimme aber etwas genauer an, so befindet man sich ganz plötzlich hier, wobei es der Hörer bei einem Stück, das die Liebe besingt, jedoch mit der Marseillaise beginnt, vermutlich aufgegeben hat, sich zu wundern. Eingeworfen haben die Beatles zu diesem Zeitpunkt ja ohnehin alles mögliche,da ist ihnen der eine oder andere Johann Sebastian zwischen all den Rosa Elefanten und bunten Farben vermutlich gar nicht mehr aufgefallen.

Der absolute Hammer unter den Bachstücken scheint jedoch das Air auf der G-Saite (aus der 3. Orchestersuite BWV 1068) zu sein.... in diesem Fall hätte ich zwar nicht eine gute und eine schlechte Nachricht parat, wohl aber die eine oder andere gute und schlechte Adaption. Da man ja bekanntlich aufhören soll, wenn es am schönsten, und nicht, wenn es am unerträglichsten ist, beginne ich diesen Reigen mit...(Trommelwirbel)... Helmut Lotti, den ich zuvor (glücklicherweise) gar nicht kannte. Mann, waren das noch Zeiten. Jetzt bin ich sozusagen verdorben und werde mir das Air niemals wieder anhören können, ohne diese Bilder und Töne im Kopf zu haben: Jeder soll singen, was er will, aber in diesem Fall, da bin ich mir sicher, hätte Johann Sebastian dem Herrn Lotti die Schnüss poliert. Und, ganz ehrlich, ich hätte vermutlich applaudiert.
Den meisten von uns dürfte die folgende Version bekannt sein, die es im Jahre 1997 in die Top Ten in Österreich, Belgien, British Columbia, Finnland, Frankreich, Irland, Norwegen und was-weiß-ich wo noch alles schafften: Sweetbox, „Everything's gonna be alright“. Netterweise wird J.S. Bach hier übrigens als Komponist gelistet.Immerhin etwas, wenn er schon keine Tantiemen dafür einstecken konnte.
Etwas älter, aber nicht minder bekannt dürfte wohl „A whiter Shade of Pale“ von Procol Harum sein, der zunächst 1967 erschien und danach selbst unzählige Male gecovered wurde.
Gehen wir jedoch an den Anfang der weißeren Blässe zurück, so bemerken wir einen weiteren Umweg, den die Musik genommen hat: Procol Harum wurden nämlich gar nicht direkt von Bach inspiriert, sondern vielmehr von ihrem Kollegen Percy Sledge, der das Air ebenfalls verbraten hatte, allerdings weitaus weniger auffällig: „When a Manloves a Woman“ basiert nämlich ebenfalls auf der Akkordfolge dieses Stückes. Als Procol Harum dies hörten, dachten sie sich wohl „Geil, das machen wir auch, aber wir haben eine Hammond-Orgel, also machen wir es richtig!“ und legten los.
Zusätzlich zum Air verarbeiten sie in diesem Stück übrigens auch noch den Eingangschor aus „Wachet auf ruft uns die Stimme“, aber das würde jetzt zu weit führen.
Der Song wurde ein Riesenhit, Bach konnte sich keinen Blumentopf dafür kaufen, und das Stück wurde unzählige Male gecovered, unter anderem im Jahre 1985 von der wunderbaren Annie Lennox,  einer der ganz großen Damen im Popgeschäft, wobei ich aber doch anmerken muss, dass mir die Kostümierungen ein Rätsel sind: Annies Pierrotklamotte entstammt einer Zeit, die Bach zwar nicht mehr bewusst erlebt haben dürfte, aber noch stark in die Denkweise seiner Zeit hineinspielte: Die Pierrotfigur gehört zum Standardrepertoire der im 16. Jahrhundert entstandenen Commedia Dell' Arte, kam allerdings erst relativ spät hinzu und schaffte es (im Gegenzug zu Dottore oder der Colombina) irgendwie, sich samt Maske in die heutige Zeit hinüberzuretten. Die Fozzy-Bär Kostümierung der Instrumentalisten im Hintergrund entstammt wohl eher der Muppet-Show, aber hey, es waren die 80er und da war irgendwie alles erlaubt, solange es Tiefgang suggerierte.
Jedenfalls hätten wir auch hier wieder ein Beispiel für einen Bachcoversong, der seine ganz eigene Entwicklung durchmacht. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Hammondorgel-Zeit mittlerweile als der Elterngeneration zugehörig empfunden wurde und somit der Vergangenheit angehörte, aber deren deutliche Zurücknahme zugunsten der Basses ist nicht zu überhören.
Beinahe keine Rolle mehr spielt sie zumindest als Intro in dieser Versionvon Joe Cocker, was der Theorie widerspricht, das Orgelintro sei prägend für den Song gewesen. Aber dafür hat er 3 Damen mit Katzengesang und schimmernden Gymnastikleggins auf die Bühne, und das ist ja immerhin auch nicht zu unterschätzen.

Die norwegische Band Titanic wiederum schnappte sich ihrerseits „A whiter Shade of Pale“ und verarbeitete diesen selbst aus einer Verarbeitung eines verarbeiteten Originals entstandenen Song weiter zu einem ihrer bekanntesten Stücke: „I see no Reason“.  Auf diese Weise reist unser Bach-Air mal eben um die Welt und durch die Zeit...vielleicht war das ja gar keine Orgel, die Bach in Halle damals abgenommen hat, sondern eine Art Tardis, deren Chamäleonmechanismus damals noch funktionierte und die Form eines Tasteninstrumentes annahm, man weiß es nicht. Rein von der Bedienung her scheinen mir die neiden Geräte ja nicht unähnlich zu sein... Bach der TimeLord? Eine Vorstellung, die ich persönlich sogar ganz schön finde: Dann st er vielleicht gar nicht gestorben, sondern sitzt gerade irgendwo zuhause auf Gallifrey, trinkt sein Schälchen Heesn und ersinnt neue Melodien, die er nachts heimlich irgendwelchen Musikern ins Ohr flüstert, die am nächsten Morgen erwachen und denken „Hey, hab ich heute Nacht von einem coolen Song geträumt! Den muss ich gleich mal aufschreiben, noch bevor ich mir Kaffee mache....“


 Leute... ernsthaft.... Schnee? Jetzt noch? Das kann doch wohl nicht wahr sein...
meine armen Schlüsselblumen!

 So sieht es übrigens aus, wenn ich Bilder mache... die Softboxen schummeln so viel Tageslicht in den dunklen Alltag, dass ich sie hinterher zuweilen noch ein bisschen anlasse und mich sommerlich fühle.


 Und wenn es draußen schon lauter blöden Schnee hat, dann gibt es drinnen wenigstens Tee und Porridge mit Obst!

Dienstag, 26. April 2016

Echtes deutsches Operngut? Oder: Erst denken, dann fordern.


Vor nicht allzu langer Zeit flatterte mir das Ergebnis einer Umfrage ins Haus, die sich auf den Musikgeschmack und die Rezeptionsgewohnheiten in Deutschland bezog. Ausgewählt wurden unter anderem die zehn beliebtesten Opern, die mich dann doch ein Stück weit zum Nachdenken anregten: Wenn das sie Stücke waren, die den Opernhäusern ein annähernd gefülltes Haus garantierten, dann konnte die AfD einpacken mit ihrer, was die Kunstfreiheit betrifft, ohnehin recht fragwürdigen Idee, die Werte des Volkes zu sichern, indem verstärkt Stücke deutscher Komponisten gespielt werden sollten. Es ist nämlich nicht so, dass es davon in besagter Liste von deutschen, bzw. deutschsprachigen Opern nur so gewimmelt hätte: Ein einziges deutsches Werk befand sich unter den genannten: Die allseits beliebte und bekannte Zauberflöte nämlich.
Die könnte man nun also quasi als Standardmusikwerk in jedem deutschen Opernhaus auf die Bühne bringen, nicht wahr? Oder nicht? Was sagen denn unsere ach so besorgten opernhörenden Mitbürger zu der ganzen Geschichte? Sehen wir uns doch die Handlung ein wenig genauer an und entscheiden wir dann gemeinsam, ob der übrigens in Wien geschriebene Singsang (jup, Wien konnte man selbst zu Mozarts Zeiten beim besten Willen nicht zu Deutschland zählen. Mit seinem Geburtsort Salzburg war es da eine andere Sache, das lag im 18. Jahrhundert tatsächlich nicht in Österreich, aber die Zauberflöte selbst ist eigentlich recht uneindeutig,was die Herkunft betrifft, zumal es ja auch noch einen Librettisten gibt, aber um den soll es an dieser Stelle gar nicht gehen), die Werte transportiert, die die AfD so gerne in unser aller Köpfen hätte? Mal ganz abgesehen davon, dass wir uns dabei vielleicht zunächst einmal überlegen sollten, worin genau diese „Werte“ eigentlich bestehen. Ich persönlich setze mich jedenfalls für ganz andere Dinge ein, als, sagen wir mal, mein Bruder. Und dass wir dieselbe Abstammung haben und somit auch demselben Kulturkreis angehören, ist unbestritten.
Worum geht es also? Um eine Dreikindfamilie mit einer brav am Herd stehenden Mutter jedenfalls nicht, oder? Tatsächlich passiert hier Folgendes: Ein ausländischer junger Mann (seine Herkunft wird nicht weiter erörtert, nur als „fern“ beschrieben, wir können uns ja vermutlich schon denken, wo das ist) reist ins Land und versucht, mit der Hilfe des Anführers einer Gruppe übermächtiger religiöser Fanatiker einer rechtschaffenen Mutter ihre hübsche und unschuldige Tochter wegzunehmen. Was ihm, nachdem sie ein Trainingscamp bei der Sekte mit Feuer-, Wasser- und sonstwas für Übungen hinter sich gebracht haben, auch gelingt. Na toll. Vergesst Mozart war ein Filmtitel, der sich an dieser Stelle wohl recht gut machen würde. Halten wir ihn uns aber mal ein bisschen warm, man weiß ja nie, ob man mangels anderer Werkmeister irgendwann doch noch auf ihn zurückgreifen muss.
Ebenso urdeutsch wie unser Wolfgang wäre dann vielleicht der Herr mit der Sturmwindfrisur und dem Hörgerät. Und der Herr Beethoven hat auch tatsächlich eine Oper im Repertoire: Fidelio nämlich. Und darin wird sogar gerettet. Mensch und Wertvorstellung. Klingt soweit also schon einmal nicht schlecht.
Kommen wir nun aber mal schnell zum Haken an der Sache: Bei Fidelio handelt es sich um eine sogenannte Schreckens- oder auch Befreiungsoper. Diese Art Opern entstand im spät- bis nachrevolutionären Frankreich, das in den Wirrungen der politischen Chaostage zu versinken drohte. Tatsächlich wäre das einmal eine Nummer für die typischen Pegida-Wähler: Leute, die sich von der Politik veräppelt und betrogen fühlen und versuchen, irgendwie zu ihrem Recht zu kommen. Und wenn es mit Mord und Gewalt ist. Allerdings haben wir hier das kleine Problem der Tatsache, dass Pegida zu diesem Zeitpunkt die Politiker des Landes zu stellen gedenkt und sich damit entweder selbst zum Feind macht (denn die politischen Führer sind ja gerade die Bösen der Geschichte), oder aber eine Art “Nachrevolutionsfeeling” verbreiten muss – das Volk hat es durch das allmontägliche Gebrüll geschafft, sich zu befreien und stellt nun quasi auf der Opernbühne die vorrevolutionäre Unterdrückungssituation nach. So etwas funktioniert ganz wunderbar, wenn es sich bei dem nachrevolutionären System um ein sozialistisches oder sogar kommunistisches handelt. Dann kann sich die Bevölkerung rühmen, die Ständeklauseln über den Haufen geworfen und als Volk über den einzelnen bösen Herrscher gesiegt zu haben. Derartige Opern gibt es viele, sie wurden -nachem sie die Zensur erst einmal durchlaufen hatten- auch zuhauf von der sowietischen Regierung unterstützt, machen beispielsweise die Schostakowitschrezeption heute noch zu einem ethischen Problem, entsprechen aber nicht ganz dem politischen System, das man von Seiten unserer besorgten Mitbürger einzuführen gedenkt. Staatliche Kontrolle soll es gerne geben, aber bei einer Partei, die die Arbeitslosenunterstützung abschaffen möchte, um den Wettbewerb zu stärken (Sozialdarwinismus at its finest sozusagen), sind wettbewerbsfremde sozialistische Denktendenzen vermutlich eher unerwünscht. Also weg damit.

Deutscher als Mozart oder Händel geht es vermutlich nicht, wenn wir den Herrn Wagner mal ausnehmen. Aber politische Führer, die sich auf Wagneropern eingeschossen hatten und bei dessen Familie unter Kosenamen wie “Onkel Wolf” ein- und ausgingen hatten wir bereits. Und nachdem Winifred Wagner noch bis ins hohe Alter erklärte, sie würde sich noch immer freuen, den Herrn H. wiederzusehen, wären Wagneropern vermutlich tatsächlich eine Alternative, schließlich passen der Onkel Wolf und der Onkel Lutz rein ideologisch gesehen ganz gut zusammen. Verzichtet man allerdings auf Wagner, tut man sich schwer damit, ausreichend deutsches Opernmaterial zu finden, um die Spielpläne unserer Opernhäuser zu füllen. Mozart schrieb überraschend wenig auf deutsch, der hamburger Händel gar nichts. Wie wollen wir die guten deutschen * hust, hust * Werte vermitteln, wenn wir dazu italienischen Frauen beim Männerverführen im Vorgarten zusehen müssen? Und dazu auch noch fließend italienisch verstehen, wennschon nicht sprechen müssten, um der Handlung überhaupt folgen zu können? In einer Zeit, in der ausländische Starpianisten, die ein Stück von Weltruhm ankündigen, von Seiten des Publikums mit dem Ausruf “Sprich deutsch!” bedacht werden? Bei Händels Alcina holt wenigstens eine gute Hausfrau ihren abtrünnigen Mann von einer -nennen wir es ruhig beim Namen- Bordellinsel nach Hause zurück, was man noch als tugendhaft und wertebildend verbuchen könnte, aber erstens ist die gute Dame Bramante leider Italienerin, zweitens spricht und singt jeder in dieser Oper italienisch und drittens geht der Hauptteil der deutschen Männer, eben weil er kein Wort versteht, vermutlich nur deshalb überhaupt mit in diese Oper, um sich die zumeist halbnackt dargestellte Verführerin Alcina anzusehen und deren Verführungsspielchen dann zuhause nachzustellen, denn immerhin ist er mitgegangen, die Dame des Hauses ist ihm also noch einen Gefallen schudig. Dann vielleicht doch lieber Mozart, der sich mit der Entführung aus dem Serail schon deshalb besonders eignet, weil er sich erstens über die Türken lustig macht, was ja heutzutage offensichtlich der Volksbelustigung dient und zweitens auch noch die guten Christen gegen die bösen Moslems ausspielt, wobei der Versuch, sich hier ein paar böser Klischees zu bedienen, schon deshalb hakt, weil sich der türkische junge Mann zwar die ausländische Frau schnappen will, sie dabei jedoch keineswegs bedrängt (im Gegenteil, sie ist ja diejenige, die sich, nachdem er sie aus den Händen einer Schlepper- und Sklaventreiberbande gekauft hat, in der Fremde befindet, dort auf seine Kosten lebt und sich nicht einzugliedern gedenkt) und sich , und im Willen, sich anzupassen, sogar soweit geht, zum Christentum zu konvertieren. Mist.
Desweiteren lässt sich der türkische Herrscher nicht so einfach veräppeln, nimmt die deutschen hops und stellt sie vor ein Gericht, was mal wieder einer tatsächlichen Begebenheit ähnelt, an die wir vielleicht besser nicht erinnert werden wollen. Am Ende kommen noch ein paar Zuschauer auf die Idee, sich die Sache zum Vorbild zu nehmen und Böhmermann zur Flucht zu überreden, was wohl endgültig einer nationalen Katastrophe gleichkäme. Streichen wir also die Entführung und damit eine der wenigen Opern Mozarts, die wir noch auf deutsch anzubieten hätten.

Eine geradezu wunderbare Musik, die einzig dazu diente, türkische Herrscher zu verhohnepipeln, schaffte der gute Herr Lully am Hof in Frankreich. Seine Zusammenarbeit mit Molière, “Le bourgeois gentilhomme” (Der Bürger als Edelmann), war auf den türkischen Botschafter gemünzt, den, nennen wir es beim Namen, am französischen Hof kein Mensch leiden konnte. Es klappt also doch: Man kann türkische Politiker veräppeln ohne sich dabei in Gefahr zu begeben. Allerings taucht hier mal wieder ein altbekanntes Problem auf: Lully war...na, was wohl? Genau! Italiener! Auch wenn er später seine Staatsbürgerschaft wechseln und Franzose werden sollte, er war ein Einwanderer. Und noch dazu kein sonderlich beliebter. Außerdem war der Mann hauptberuflich Ballerina, also nicht gerade das Lieblingsvorbild eines biertrinkenden Fußballguckenden Klischeedeutschen, für den ein Tutu als Freizeitkleidung nicht wirklich infrage kommt.
Ja, ich denke, spreche und schreibe hier in Klischees. Und Klischees entsprechen nicht der Wirklichkeit, zumindest dann nicht, wenn man ein Volk als eine Zusammenstellung von Individuen betrachtet, die alle eigene Werte, eigene Ideen und eigene Geschmäcker haben. Sie sind also nicht alle schlecht, was im Umkehrschluss aber auch bedeuten würde, dass es die abendländischen Werte per se gar nicht geben könnte, man sie also auch nicht verteidigen kann oder muss. Nimmt man hingegen wertfrei und blind irgendwelche typischen Elemente unserer Kultur heraus und packt diese zusammen, so ergibt sich unter Umständen ein Volk von Leuten, die die wichtigste Fastenzeit ihrer Kultur damit verbringen, exzessiv Glühwein zu konsumieren, am größten christlichen Fest in Goldpapier verpackte Hasenstatuetten suchen, ernsthaft daran zu glauben scheinen, dass das Zusammendrücken von Daumen und Zeigefinger dazu beiträgt, dass der Junior in der Schule eine gute Mathearbeit schreibt und die Steuergelder, die sie so enthusiastisch verteidigen, dafür ausgeben, dass Horden an Polizisten, Sanitätern und Sicherheitskräften die Innenstädte absichern müssen, wenn sich einmal wieder zwei Ballsportvereine ein Spielchen liefern. Das alles definiert uns zwar nicht, gehört aber definitiv mit zu unserer Kultur. Aber wollen wir das auf der Bühne haben?
Noch einmal: Ich bin nicht antideutsch eingestellt. Aber eben auch nicht antijemandanders. Ich mag auch deutsche Männer. Aber eben auch französische, italienische oder afrikanische Musiker. Und: Ja, ich weiß, nicht alle deutschen Männer trinken Bier. Manche trinken auch Orangensaft und machen pliès, rombes des jambes und pas des chats zur Stärkung der Beinmuskulatur. Und wer Bier trinkt ist dadurch auch noch lange kein Gorillamann, er hat nur eine Vorstellung von „lecker“, die ich nicht teile. Der Herr Sagchnicht trinkt auch Bier und ich mag ihn trotzdem. Wer sich jedoch trotz Allem angegriffen fühlt, darf sich gerne in den Kommentaren beschweren, nur kommt bitte nicht auf die Idee, diesen Post irgendwie unter „Satire“ einzuordnen, diese Gattungsbezeichnung fängt nämlich an, mir ganz gewaltig auf den Senkel zu gehen.

Was bleibt nun dem Opernliebhaber? Außer Wagner? Schönberg? Eine deutsche Oper hätte er ja im Gepäck, Moses und Aaron nämlich, allerdings geht es ja auch darin wieder um eine Religion mit der uns eine schwierige Geschichte verbindet. Schönberg war selbst übrigens nicht nur Jude, er war auch Entwickler der Zwölftonmusik und somit Vorreiter dessen, was in den dreißiger und vierziger Jahren unter den Oberbegriff der entarteten Kunst fiel. Den wollte schon die Reichsmusikkammer nicht auf den Brettern haben, und deren Ideale scheinen ja ohnehin wie geschaffen für die Erstellung eines Spielplanes nach Art der AfD. Wie wäre es also, wenn man sich einmal in die entsprechenden Archive begibt und die Akten der Reichsmusikkammer nach spielbaren, geeigneten, das deutsche Volk in seiner Selbstbeweihräucherung unterstützenden Musikstücken, vielleicht sogar älteren, bereits vorgearbeiteten Listen durchsucht? Als archiverprobte Studentin der Musikwissenschaft melde ich mich hiermit schon einmal vorsorglich für jedes mögliche Praktikum an. Ich bin mir sicher: Das wird ein Spaß. Vielleicht kann ja jemand den Herrn Sagichnicht informieren. Und: Er soll Bier mitbringen.

 Schon wieder auf dem Weg...und meine arme Lieblingsstrumpfhose beginnt, 
erste Zeichen der Altersschwäche zu entwickeln
 Schreiben im Zug... die Momentaufnahme täuscht übrigens: 
So leer war es auch nur bis zum ersten Laternenpfahl
 Die Musikalische Komödie der Oper Leipzig