Dienstag, 26. Mai 2015

Was ist Musik? Klappe die 1.




 „Was ist eigentlich Musik?“
Diese Frage wurde uns zu Beginn unseres Studiums in einer Einführungsveranstaltung gestellt und sollte sich, trotz Einbeziehung gängiger Lexika, als unbeantwortbar erweisen. Auch der Versuch, einen Blogpost über das Thema zu verfassen, scheiterte an der Komplexität des Themas. Es gibt einfach zu viele Faktoren, die Musik zu Musik machen, und gleichzeitig zu viele Gegenbeispiele aus dem musikalischen Bereich. Stücke, die weder Töne noch Rhythmus, Lautstärkenunterschiede, Metrum oder ähnliches besitzen, aber trotz alledem Musik sind. Zu viele, um das Thema auf einmal abzuhandeln, was mal wieder zu einer „Reihe“ aus 2 Beiträgen führen wird, von denen der zweite Teil nächste Woche online geht und verlinkt wird.

Dienstag, 19. Mai 2015

Alle meine Zipperlein - Musikerkrankheiten


Man stelle sich die folgende Situation vor: Ein kleiner Junge kommt vom Geigenunterricht nach hause und erklärt stolz, er wolle eines Tages Musik studieren und ein großer Geiger werden, so etwas wie der Paganini seiner Zeit.
Am nächsten Tag sitzt er in der Hofpause mit seinem Freund aus dem Schulorchester zusammen und erzählt, seine Mutter habe ihm gedroht, ihn aus dem Orchester zu nehmen, wenn er nicht auf der Stelle damit aufhöre, so einen Blödsinn zu erzählen und gefälligst mehr für die Schule täte. „Kenn ich“, antwortet daraufhin sein Freund, „Meine Alten sind genauso. Ich darf auch nur ne halbe Stunde pro Tag üben, Klavier nur am Wochenende und ich soll mir gefälligst endlich mehr Hip Hop anhören, Mozart sei einfach kein guter Einfluss für mich. OK, Mann, ist ja auch irgendwie klar, wenn man bedenkt, wie hart der schon als Kind trainiert hat. Kein Wunder, dass er nicht alt geworden ist.“

Donnerstag, 14. Mai 2015

Ich mach mir die Welt widewidewie sie mir gefällt - historische Musikforschung und Weltbild




Im Zuge der historischen Musikforschung kommen über die Jahre eine Menge Fakten aus dem Leben derer Musiker und Komponisten ans Licht, die längst nicht mehr unter uns weilen und somit nicht mehr selbst befragt werden können. Jedes weitere aufgetauchte und auf historische Zusammenhänge untersuchte Dokument vergrößert den Stapel an Informationen aus zweiter oder dritter Hand und sollte doch eigentlich dazu beitragen, den jeweiligen Tonkünstler näher kennenzulernen, seine Lebensumstände und Handlungen in Relation zueinander zu setzen und ihn somit als Mensch wie als Musiker besser zu verstehen. So sollte man zumindest meinen, aber wer meint, liegt ja meistens daneben.

Tatsächlich liegen weitaus mehr Ebenen zwischen Hörensagen und historisch verbürgten Daten:

Mittwoch, 6. Mai 2015

Blogparade: Musikalische Auswanderung


Schon wieder eine Blogparade... dabei passen diese Bloggerveranstaltungen eigentlich höchst selten zu einem Blogthema wie meinem, aber diese Idee hat mich tatsächlich ein bisschen herausgefordert. Und dabei ist die ganze Sache eigentlich schon längst vorbei: Maribel Skywalker warf Anfang des Jahres die Frage nach Lieblingsmusik auf, die nicht der gängigen Sprachauswahl bei Songs oder Liedern entspricht. Musikalische Auswanderung nannte sie das Projekt, bei dem andere Blogger ihre Lieblingsmusik mit Texten in außergewöhnlichen Sprachen nennen sollten. Da das Ganze auf Hörer eigentlich moderner Musik in deutschsprachigen Ländern gemünzt war, bedeutet „außergewöhnlich“ in ihrem Fall alle Sprachen außer Deutsch und Englisch, womit eben die meisten Songs entfallen, die man zu hören bekommt, wenn man einen gängigen Pop- oder HipHop-Sender im Radio einstellt. Maribels Beitrag findet sich hier, anbei auch eine Liste der Blogger, die sich im Januar an der Aktion beteiligt haben. Das Fröken kommt wie üblich ein paar Monate später vorbeigetigert, hat aber ebenfalls Musik im Gepäck und macht sich daran, sich der Herausforderung zu stellen.

Freitag, 1. Mai 2015

Forschst Du noch oder stalkst Du schon? Musikwissenschaft und Privatsphäre


„Sag mal,“ bekomme ich des öfteren zu hören, „was machen Musikwissenschaftler eigentlich so?“
Eine Frage, die durchaus ihre Berechtigung hat, deren Beantwortung allerdings gar nicht so leicht ist. Immerhin ist Musikwissenschaft im Grunde nur ein wissenschaftliches Betätigungsfeld und kein Beruf im engeren Sinne, wie beispielsweise „Hebamme“ oder „GEZ-Kontrolleur“. Das sind so Ein-Satz-Berufsbeschreibungen, die man sich in der Wissenschaft manchmal wünschen würde. Im Grunde könnte man genausogut fragen, was Insekten so machen. Die produzieren ja auch nicht alle Honig, schleppen tote Kellerasseln in ihre Kolonie oder schwirren nachts durch fremde Schlafzimmer, um uns das Blut aus den Adern zu saugen. MuWis schreiben Artikel, erforschen alte Instrumente, die es längst nicht mehr gibt, digitalisieren wertvolle Notenhandschriften, rekonstruieren abgebröselte, tintenfraßegschädigte Manuskripte, oder kellnern irgendwo in einer Bar, denn die Anstellungsmöglichkeiten werden einem nicht unbedingt hinterhergeworfen.
„Na gut,“ geht die Fragerei weiter, „Was willst DU denn machen? Ist das ne einfachere Frage?“
„Bachforschung“ antworte ich dann und beeile mich übergangslos weiterzusprechen, um die offensichtlich unvermeidlichen Fragen nach Wasserstandsmessungen und Fischbestand im Keim zu ersticken: Ich brenne für die historische Musikwissenschaft. Und für Menschen. Und solche Leute, die beleuchten das Leben der Komponisten von allen Seiten, durchforsten ihre Korrespondenz, Spesenabrechnungen, Inventarlisten, Mietverträge, Reisebillets, schriftliche Auftragsbestätigungen, erforschen benutzte Papier-, Tinten-, und Federsorten, werfen mit Röntgenstrahlen um sich wie Darth Vader mit Laserstrahlen, um die untersten Schichten mehrfach überkritzelter Schriftstücke zu entdecken und durchwühlen bei der Gelegenheit gleich noch das Leben all derer, die besagtem Komponisten über den Weg gelaufen sind. Könnte ja sein, dass sie irgendwo zusammen Milchkaffee getrunken und sich dabei über die neuesten Entwicklungen im Bereich der Madrigalmelodieführung ausgetauscht haben. Unter anderem. Da können sich die Geheimdienste der Welt eine Scheibe abschneiden.
„Aha“ ist die Antwort. „Dann bist Du also im Grunde eine Stalkerin!“