Donnerstag, 23. April 2015

Regretting Motherhood, Anna Magdalena Bach?




#regrettingmotherhood – unter diesem Stichwort kann man sich derzeit austoben im Netz, oder wahlweise den Kopf auf der Tastatur begraben. Nach 40 000 Jahren Homo Sapiens Sapiens wagt es eine Studie etwas aufzuzeigen, das als Tabuthema in unserer Kultur seinesgleichen sucht: Die Frauen, die an der Studie teilnahmen, sagten aus, dass sie ihre Kinder zwar lieben und niemals wieder hergeben möchten, aber -noch einmal vor die Wahl gestellt- die Mutterschaftserfahrung wohl nicht wiederholen würden. Ein Kind zur Welt zu bringen hat sie nicht mit dem erwarteten Glücksgefühl erfüllt, das alle Probleme dieser Welt zweitrangig erscheinen lässt, weil sie nun ihrer wahren Bestimmung als Brüterin gefolgt sind. Ganz ehrlich, man mag es nicht einmal heruntertippen, fürchtet schon, mit bösen Kommentaren versehen, ent-abonniert, oder in sämtlichen sozialen Netzwerken in der Luft zerrissen zu werden. Und dabei habe ich noch nicht einmal Kinder, die ich bereuen könnte, was übrigens noch so eine Sache ist, für das man sich offensichtlich vor fremden Leuten rechtfertigen muss. Nein, ich hasse Kinder nicht. Ehrlich nicht. Ihr könnt den Polizeischutz wieder abbestellen, ich esse kein Fleisch. Auch nicht, wenn es Justin-Kevin oder Alicia-Leonie heißt. Versprochen.

Sonntag, 12. April 2015

Musikunterricht: Lernen durch Angst


3 Feinde nannte eine befreundete Musikerin einmal die Tonart, in der sich ein Musikstück befand, an das wir uns heranwagen wollten. In anderen, wahrscheinlich gebräuchlicheren Worten: Besagtes Werk stand in c-Moll und durfte sich mit 3 „b“s (besagten Feinden) schmücken. Nun ist es zwar, selbst für mich als „Betroffene“ schwer zu erklären, weshalb ich b-Tonarten am liebsten mit einem dieser Warnhinweise ausstatten würde, wie man sie an Gehegegittern im Zoo finden kann („Vorsicht, giftig!“ oder „Achtung! Vorzeichen spucken ins Publikum!" Oder etwas in dieser Art), mir bei ihren Gegenstücken, den Kreuzen, dagegen denke „Egal, Dich kriege ich auch noch klein!“, aber ich war definitiv nicht die einzige in unserem Quartett. Unterhaltungen wie „Das Stück hier habe ich neulich mal angehört, das ist total schön . Wollen wir das spielen?“ „Ach, ich weiß nicht… ich habe da irgendwo ein b drin gesehen…“ können wir sicher alle vier als bekannt einstufen.

Dienstag, 7. April 2015

Käfer hört die Signale! - Protestlieder in ihrer Zeit


Protestlieder in ihrer Zeit...ein Titel, bei dem man zumindest mit den Augen rollen und ausrufen möchte „Natürlich in ihrer Zeit! Vorher oder Jahre später lohnt es sich ja wohl kaum, zu protestieren! Würde man in einem Lied gegen etwas protestieren, das gar nicht existiert, käme man auf so sinnvolle akustische Entgleisungen, wie etwa „Freiheit für Grönland“, das man getrost als den Meilenstein bezeichnen kann, an dem Mike Krüger beschloss, dass der Wegweiser mit der Aufschrift „Klamauk“ ein sinnvolles Ziel darstellte.

Womit wir gleich beim ersten Punkt wären: Jedes ernstgemeinte Protestlied entsteht innerhalb der Gruppe, die es entweder direkt betrifft, die aber zumindest indirekt damit in Verbindung steht. Möglicherweise schließt dies auch sympathisierende Gruppen aus anderen Bereichen mit ein. Ist deren Abstand zur ursprünglich betroffenen Gruppe allerdings zu groß, verliert der Text zunehmend an Glaubwürdigkeit, wirkt klischeehaft oder aufgesetzt. Und das selbst dann, wenn Interpreten und Hörer mit der Grundproblematik durchaus vertraut sind. Wer nicht selbst einmal mit der Materie in Verbindung kam, persönliche Berührungspunkte hat, wird aufgrund der fehlenden oder unglücklich gewählten Identifikationsfigur immer mit der Glaubwürdigkeit seines Textes zu kämpfen haben. Dem Hörer selbst wird es da ähnlich ergehen, was erklärt, weshalb kitschige Liebeslieder, Jammerballaden oder Lieder über ungerechte Behandlung durch einen geliebten Menschen irgendwie immer gehen: Hierbei handelt es sich um Universalien. Das haben wir auf die eine oder andere Weise alle schon einmal durchgemacht, da kennen wir uns aus und fühlen mit. Bei Songs wie „Fritz, love my tits“ (ja, den gab es tatsächlich. Leider. Wobei sich der Protestgehalt des Liedes seitens der Dame ohnehin in Grenzen hält) muss dagegen wenigstes der Beat stimmen, damit man auch dann ein bisschen mitrocken kann, wenn man selbst ein Mann ist und nicht über die zu liebenden Körperteile verfügt.

Samstag, 4. April 2015

Musik und das Gewissen des Hörers


Richard Wagner, dessen Schrift “Das Judenthum in der Musik” *hier* schon einmal genauer unter die Lupe genommen wurde, hat glühende Verehrer in aller Welt. Verständlicherweise jedoch halten sich die Aufführungen seiner Werke in Israel (auch aus Rücksicht auf die Überlebenden des Holocaust) in Grenzen. Man spielt ja auch Leuten, die ihre Familie durch einen Tsunami verloren haben, nicht unbedigt “Die perfekte Welle” von Juli vor. So gesehen ist diese Art der Wagner-Rezeption (oder besser Nicht-Rezeption) für mich zumindest sehr gut nachvollziehbar.
Jedoch gibt es auch in Israel eine Wagner-Gesellschaft, die ihrerseits immer wieder versucht, ihren Landsleuten die Schönheit der Musik Wagners nahezubringen und den durchaus bestehenden Vorurteilen, auch die Musik an sich rufe indirekt schon zum Kampf gegen die Juden auf, mit Aufführungen seiner Opern zu begegnen. Vor beinahe 3 Jahren scheiterte einer der bisher letzten Versuche dieser Art kläglich: Jonathan Livny, der Vorsitzende der israelischen Wagner-Gesellschaft musste seinen Plan begraben, im Juni 2012 ein Wagner-Konzert in Tel Aviv auf die Bühne zu stellen.
Nun ist Israel zunächst einmal weit weg, und Probleme, die außerhalb unserer Armeslänge existieren, werden für die meisten Menschen mit jeder Meile, die dazwischen liegt, irrelevanter, doch haben auch wir mit unterschiedlichen Ideologien zu kämpfen.Täglich. Oder zumindest montäglich.

Mittwoch, 1. April 2015

Schweres Ge-Schütz


Vor mittlerweile viel zu vielen Jahren saß ich mit einer Gruppe von Kollegen um einen Tisch und spielte Gesellschaftsspiele. Zu diesem Zeitpunkt befanden wir uns in der Vorbereitungphase auf die Leitung eines Jugendlagers und verbrachten zu diesem Zweck ein paar gemeinsame Tag in einer Blockhütte im Nirgendwo. Unsere Abende bestanden damals aus Salzstangen in medizinisch bedenklichen Dosen und Trivial Pursuit, einem Spiel, das mich mit der Frage nach dem Autor des Stückes “Der Biberpelz” konfrontierte, deren Antwort ich nicht kannte. Was peinlich genug gewesen wäre, für eine Germanistikstudentin, allerdings von der Tatsache geschlagen wurde, dass ich zu diesem Zeitpunkt in einem Haus in der Gerhart-Hauptmann-Straße lebte. Seines Zeichens Autor des genannten Stückes.

Dass mir das nicht noch einmal passieren sollte, gehörte zu der Sorte der guten Vorsätzen, die, einmal gefasst, dann doch nicht eingehalten werden, denn als ich das Heinrich-Schütz-Konservatorium in Dresden verließ, hatte ich es geschafft, jahrelang keine einzige Note von besagtem Herrn Schütz zu singen.