Mittwoch, 4. Februar 2015

Der hübsche Herr Ballerina... Lully, die 2.




Hier geht es zum ersten Teil der Plauderei über Jean Baptiste Lully!

 
In Versailles wurde intrigiert, was das Zeug hielt, allerdings hatten sie sich mit dem tanzenden Toskaner den falschen ausgesucht, denn Jean Baptiste Lully, wie sich Giovanni Battista Lulli nach der Annahme der französischen Staatsbürgerschaft 1661 nannte, war weder auf den Kopf gefallen, noch hatte er vor, sich in irgendeiner Weise vom Komponistenthron stoßen zu lassen. Im Gegenteil: Lully zu ärgern war etwa so, als versuchte man, alle 5 Minuten an ein Killerbienennest zu klopfen. Irgendwann bezahlt man das Spiel mit seinem Leben, bzw in Lullys Fall mit dem Verlust sämtlicher Privilegien und Stellungen bei Hofe, denn noch waren Louis und Jean-Bap wie Schoko und Lade und der sparsame Herr Kardinal von vorhin hatte ihn ebenfalls unter seine Fittiche genommen.

Die Liebe des Kardinals zur italienischen Musik war Lully an dieser Stelle zwar ganz recht, andererseits hatte er sich längst einen Kompositionsstil angeeignet, der mit dem, was in Italien gerade modern war, nicht viel zu tun hatte. Im Gegenteil: Er, der Italiener, war mittlerweile französischer als die Franzosen, und lag damit ganz weit vorne bei seinem königlichen Freund.

So schrieb Lully Ballettmusik und tanzte dazu, unterhielt den Hof und schaffte mit dem Ballett “Amour Malade” den ganz großen Durchbruch, ehe er mehr wollte (und konnte), als nur die damals üblichen Balletteinlagern für die Oper zu schreiben. 1661 ernannte ihn de Sonnenkönig dann auch zum Surintendant de la musique du roi, was ungefähr genauso verwirrend klingt, wie es ist. Die erste Übersetzung, die man für “Surintendant” findet, ist (neben der zwar verständlichen Idee, Amtsbezeichungen einfach überhaupt nicht zu übersetzen, sondern in Anführungszeichen zu übernehmen, was den geneigten Leser aber überhaupt nicht weiter, dafür irgendwann ziemlich in Rage bringt) die englische Bezeichnung “Superintendent”. Klasse. Hat mich auch gehelft. Wenn man allerdings die Beamtenlaufbahnen in Frankreich ein bisschen genauer recherchiert, zeigt sich, dass es sich bei einem Surintendant quasi um einen Bereichs- oder Ressortleiter handelt. Insofern ist es wahrscheinlich gar nicht so schlecht, Surintendant de la musique du roi zu sei. Kann einem wenigstens keiner reinreden. Außer dem König natürlich.