Donnerstag, 29. Januar 2015

Der nächste Stinkstiefel: Jean Baptiste Lully, die 1.


 
 

Teil 1 der Plapperei über Jean Baptiste Lully.

Was ist das mit dem Genie in der Musik? Stimmt es wirklich, was die Prinzen gesungen haben? Dass man ein Schwein sein muss in dieser Welt? Geht man sonst unwiderruflich unter? Jean Baptiste Lully muss so gedacht haben, denn er hat die Schweinemethode angewandt, um ganz nach oben zu kommen, was auch funktionierte. Nur, um sich oben zu halten, muss man sich eine andere Methode ausdenken... am besten man nimmt sich irgendein Tier zum Vorbild, das sich auch wirklich lange oben halten kann. Einen Mauersegler zum Beispiel. Oder einen Adler. Ein Albatros wäre dann schon wieder eher ungeeignet, aber das hat man dem guten Lully damals wohl nicht verraten. Aus gutem Grund, möchte ich mal vermuten.

Es gibt also schon wieder eine Komponistenvorstellung, und wie schon beim guten Wilhelm Friedemann Bach wird auch Lully mehr als ein Posting in Anspruch nehmen. Für ein paar Zeilen hat der gute Mann einfach zu viel erlebt und zu vielen Leuten die Suppe versalzen. Vendetta hätte sein Motto sein können, wobei er wahrscheinlich eher der Typ war, der keine Rache brauchte, weil er seine Gegner ins Aus beförderte, noch weit ehe sie ihm etwas antun konnten. Andererseits muss man ihm zugute halten, dass es oft genug Mann gegen Mann stand. Am Hof von Versailles handelte man nicht selten nach dem Motto “Es kann nur einen geben!”.
Und das war Giovanni Battista Lulli, aka Jean Baptiste Lully. Die Startbedingungen waren alles andere als rosig, das Ergebnis dafür nicht selten pink, wenn's sein musste mit passendem Handtäschchen und Pailettenkleid. Vive le roi et vive la musique!

Dienstag, 27. Januar 2015

Warum es die Oper gar nicht geben dürfte - Teil1: Die Monodie



Dies ist der erste Teilschritt in der Entwicklung der Oper im 16. Jahrhundert. Folgepostings verlinke ich, sobald sie fertig sind.

Manchmal hat man es nicht so einfach in der Musikwissenschaft. Vor allem dann, wenn es die eigentlich in dieser Form noch gar nicht gibt, keinerlei Datenbanken existieren und auch sonst niemand weiß, worauf er eigentlich zurückgreifen soll.
Der Lituusnachbau war so ein Problem. Da waren weder Aussehen, noch Art des Instrumentes, Material oder irgendeine Beschreibung des Klanges bekannt. Man kannte lediglich den Namen des Instrumentes und ein paar Töne, die das Ding auf jeden Fall draufhaben musste. Bei der Echoflöte ist das ziemlich ähnlich, da weiß man nicht einmal mit Sicherheit, ob das überhaupt ein eigenes Instrument ist, oder nur eine andere Bezeichnung für irgendein anderes bekanntes Blasinstrument. Will man Musik aber historisch genau spielen, sollte man schon irgendwie wissen, was man sich da so zwischen die Lippen drücken muss.
Im Grunde ist es ein bisschen so, wie in dieser Szene aus dem ersten Ice-Age-Film, in dem sich eine Gruppe Urvögel aufmacht, die nächste “Milliarde” Jahre Eiszeit unter der Erde zu überleben. Und sie haben 3 Melonen.

Samstag, 24. Januar 2015

Der Friedi... in Berlin


Teil 5 des Friedemann Bach Geplauders.
Hier geht es zu Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4

Halle hatte er nun hinter sich gelassen, der Friedemann. Ob er neben viel Ärger auch schöne Erinnerungen mitgenommen hat, können wir nur vermuten. Lauschige Kaminabende, an denen sich die Mitglieder des Hallenser Rats zusammengesetzt und über die schöne Zeit mit dem ältesten Bach-Sohn geplaudert haben, wird es allerdings definitiv nicht gegeben haben. In den Akten des Rates wird Friedes Verhalten folgendermaßen beschrieben: “Sonderbares Betragen, unanständiger Wandel und Eigensinn”. “Genau!” ruft ein unsichtbarer Carl Friedrich Zelter aus dem Off, “Und pritzelhaft! Pritzelhaft am allermeisten!” :D
Irgendwie klingt das alles verdächtig nach Johann Sebastians Streitereien mit der Universität... der alte Bach wollte sich geausowenig sagen lassen, wie der junge. Und indem der junge Bach krampfhaft versuchte, seine Kompositionen von denen seines Vaters und seiner Brüder abzuheben, schuf er einen ebenso einzigartigen Stil, wie es sein alter Herr zuvor getan hatte. Es ist schon ein Kreuz. Wer einen genialen Vater hat, braucht eben dieselbe Genialität, um anders zu sein (# Teufelskreis). Und wenn der Vater dann auch noch ein ziemlich sturer Kopf sein konnte, kann man sich selbst noch so sehr den Schädel einrennen, man wird ihm dadurch nur noch ähnlicher. Wie man's macht, macht man's falsch. Armer Friedemann, darauf einen Dujardin, denn einen Kaffee konnte er darauf ja wohl kaum trinken, Kaffee war ja schon belegt. Vom Vater nämlich. Wo der seine Niere reizte, forderte Friedemann seine Leber zum Duell. Immer wieder, je nachdem, wie es ihm gerade ging, konnte er monatelang keinen Tropfen anrühren, um dann wieder vollkommen abzustürzen und irgendwo in einem Hauseingang zu sich zu kommen. Wilhelm Bipolar Bach, Sklave seines eigenen Anspruches, der immer wieder von seinen Selbstzweifeln zerstört wurde? Da sind wir wieder, mit der Hobbypsychologie. Es ist aber auch schwer, ihn nicht verstehen zu wollen.

Donnerstag, 22. Januar 2015

Der Friedi... in Dresden und Halle




Teil 4 des Friedemann Bach Geplauders.
Hier geht es zu Teil 1, Teil 2 und Teil 3

Wilhelm Friedemann Bachs erste feste Anstellung als Organist an der Dresdner Sophienkirche verschaffte ihm, wie bereits erwähnt, sein Vater Johann Sebastian, der sogar soweit ging, das Bewerbungsschreiben seines Sohnes zu fälschen.Friedeman selbst hatte nämlich erst gar keines geschrieben. Falls sich an dieser Stelle übrigens jemand fragen sollte, wo die Sophienkirche denn eigentlich steht: Sie wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, 1962 abgerissen und durch ein Gasthaus mit Kneipe ersetzt. Hätte Friedi sicher für gut befunden, aber dazu später. Und das mit dem Bewerbungsschreiben hätte auch von meinem eigenen Vater stammen können, der jahrelang daran verzweifelte, dass seine postpubertären Kinder keinerlei Interesse an fristgerechter Korrespondenz mit offiziellen Stellen hatten. Sprich: Wenn man den Tisch unter dem Stapel von Papierkram noch sehen konnte, wurde auf alle Fragen mit “Jaja, das mach ich schon noch” geantwortet. Irgendwann. Wenn ich drandenke. Sonst halt nicht. Bei Wilhelm Friedemann wird es in diesem Alter (er war gerade 23, also im besten Prokrastinationsalter, wer Beweise braucht, sollte sich mal die Küche in einer Studenten-WG ansehen) ähnlich gewesen sein.

Dienstag, 20. Januar 2015

Der Friedi... als er noch ein kleiner Junge war



Hier gehts zu Teil 1 und Teil 2  der Friedmann Bach Plapperei!


Wilhelm Friedemann war zwar der erste Sohn Johann Sebastians, aber bereits das zweite Kind im Bachschen Haushalt. Mehr möchte ich als erstgeborene Tochter und ältere Schwester eines begabten Bruders an dieser Stelle lieber nicht sagen. Nur soviel: Catharina Dorothea, ich fühle mit Dir! :) Wobei Wilhelm Friedemann seine erste Lebensjahre lang allem Anschein nach tatsächlich Kind sein durfte (es sei denn, er hat seine Übungshefte schon damals meistbietend gegen Kaugummi eingetauscht...ok, ich wollte die Kalauer beiseite lassen, richtig?), im Alter von etwa 10 Jahren muss es dann aber tatsächlich rund gegangen sein, denn aus dieser Zeit sind erste Übungsstücke bekannt. Tatsächlich zählen die Präludien aus dem Notenbüchlein für Wilhelm Friedemann Bach zu den Werken, die heute noch gerne in den gängigen Lehrwerken auftauchen.

Montag, 19. Januar 2015

Der Friedi... Eine Einleitung


 Hier geht's zu Teil 1 und Teil 3 der Friedemann Bach Plapperei

Es ist gar nicht so einfach, etwas Genaueres über den ältesten Sohn Johann Sebastian Bachs zu erfahren. Die meisten Biografien, die im Netz oder als Vorworte in Notenausgaben kursieren, sowie die kleine Handvoll Artikel, die 2010 zu seinem 300. Geburtstag erschienen, sind kurz und scheinen sich auf einen einzigen Artikel zu stützen, der im Grunde ausgewählte Fakten aus der MGG und ein paar ergänzende Punkte aus dem New Grove zusammenfasst (Morbus Wikipemimus, eine Zivilisationskrankheit, der ich als Lehrerin immer wieder begegne), ansonsten scheint das allgemeine Bild von Brachvolgels Roman “Friedemann Bach” oder -weit häufiger, so fürchte ich- von der Verfilmung desselben geprägt zu sein. Wie es ausgerechnet dieses Märchenbuch schafft, sich der breiten Masse immer wieder als Biografie zu verkaufen, ist mir ein Rätsel. Neben der Verfilmung wurde es ja auch noch “veropert” und meines Wissens zuletzt im Jahre 2012 neu aufgelegt.

Sonntag, 18. Januar 2015

Hach ja, der Friedi... ein Drama in mindestens 3 Akten



Information über Wilhelm Friedemann Bach bekommt man recht schnell (# Morbus Wikipedimus). Sobald man aber versucht, zu hinterfragen, weshalb sich sein Leben so unspektakulär entwickelt hat und warum ausgerechnet dieses Originalgenie sich nicht zum “Großen Bach” aufschwingen konnte, sondern, im Gegenteil, in verarmten Verhältnissen (wennauch nicht ganz unvergessen) starb, dann landet man entweder unausweichlich bei den zweiWerken, die ihn zwar irgendwie unsterblich gemacht, aber dabei gleichermaßen zum Loser auf ganzer Linie abgestempelt haben:
Bei den beiden Schinken von Albert Emil Brachvogel (“Friedemann Bach”) und Carl Hermann Bitter (Carl Philipp Emanuel Bach, Wilhelm Friedemann Bach und deren Brüder”), oder aber irgendwo in der Gegenrichtung: Auf der ganz esoterischen Linie.
Freud lässt mal wieder grüßen und unterstellt ihm (mittels seiner Anhängerschaft ) mal ganz fix eine labile Persönlichkeit, ein Leben zwischen Eifersucht und Stolz, sowie einen ausgeprägten Ödpuskomplex, der in diesem Fall sogar irgendwie nachvollziehbar wäre, zumindest wenn man das Wort Mutter durch “Stiefmutter” ersetzt, die ihm ja gerade mal 9 Jahre voraus hatte und offensichtlich ziemlich knackig war. Und, ja, die Sache mit dem übermächtigen Vater kann man sich vorstellen, unter den gegebenen Umständen. Bach-Sohn zu sein drückt einem schon einen gewissen Stempel (mit dem dazugehörigen Anspruch, der Nachwelt gefälligst etwas zu bieten) auf..

Freitag, 16. Januar 2015

Litanei des Lituus




Es gibt eine überraschend große Anzahl von Themen, die zum Bereich Musik gehören wie der Löffel zum Müsli, in welchen allerdings Kenner aus ganz anderen Bereichen der Wissenschaft die Nase weit vorne haben, wenn man sie bittet, etwas zum jeweiligen Thema zu erzählen. Die Akustik ist so ein Bereich. Ohne Akustik keine Musik, soviel ist klar, aber mal kurz wissenschaftlich zu erklären, wie Schwingungen funktionieren, oder weshalb die Quinte zu den reinen Intervallen zählt, die Sekunde aber nicht, da brillieren die Physiker und die Musiker gehen weinend nach hause.

Dass allerdings bei der Frage nach einem Musikinstrument die Mathematiker als erstes die Finger heben, ist selten. Fragt man nach einem Lituus, so rennen sie los und malen ein Koordinatensystem mit schwungvoller Kurve auf das Blatt auf der Flipchart, während den meisten Musikern nicht viel mehr einfällt, als zu bemängeln, dass sich mit einer Zeichnung keine Musik machen lässt. Was im Übrigen gar nicht stimmt. Nimmt man die Zeichnung ab, rollt sie konisch zusammen und pustet mit der angemessenen Lippenspannung hinein, erhält man eine prima Papiertröte auf Basis der Naturtonreihe, die tatsächlich gar nicht so weit vom echten Lituus entfernt ist. Zumindest nicht von dem, was die Schola Cantorum Basiliensis, die Hochschule für Alte Musik in Basel, dafür hält.

Mittwoch, 14. Januar 2015

Falstaff – Ein Klopper zum Feierabend


In München steht ein Hofbräuhaus... und in Mailand? Da steht ein Altersheim. Klingt nicht ganz so toll? Das Bier wäre Ihnen lieber? Dann werfen wir doch mal einen etwas genaueren Blick auf die Seniorenresidenz: Über das Casa Verdi habe ich hier *klick* bereits ein paar Worte fallen lassen, wer mag findet auch hier *klick* einen Artikel dazu, handelt es sich doch um ein Altersheim für ehemalige Musiker, gegründet mit dem Geld, das Giuseppe Verdi (1813 – 1901) eigens zu diesem Zweck hinterlassen hatte. Mittlerweile leben sogar junge Musikstudenten mit den älteren Herrschaften unter einem Dach, und lassen sich von den ehemaligen Größen inspirieren und so einiges erklären.

Verdi war nämlich nicht nur einer der berühmtesten Komponisten seiner Zeit (wobei ihm die Tatsache, dass der einst so gefeierte Gioachino Rossini inzwischen lieber Pastasaucen zusammenrührte und mehr Kochbücher als Opern schrieb, und sowohl Vincenzo Bellini als auch Gaetano Donizetti ihr Leben bereits ausgehaucht hatten, gewaltig unter die Arme griff – In Italien war neben ihm ganz einfach nicht mehr allzuviel übrig, was die Oper wesentlich mitgestalten hätte können), sondern auch politisch äußerst aktiv: Nachdem Italien vier Jahrhunderte lang aus Stadtstaaten bestanden hatte, die jeweils von unterschiedlichen Fürstenfamilien und später teilweise von anderen europäischen Mächten regiert wurden, wurde die Halbinsel im Jahr 1861 politisch vereint und Giuseppe Verdi, der sich für das Risorgimento(„Wiedererstehen“) eingesetzt hatte, ließ sich sogar kurzzeitig überreden, für die Abgeordnetenkammer zu kandidieren.

Samstag, 10. Januar 2015

Von 0 auf Bach in 10 000 Stunden



Einer Studie der Berliner Hochschule für Künste zufolge, benötigt ein Mensch etwa 10 000 Übungsstunden, um auf seinem jeweiligen Gebiet ein professionelles Niveau zu erreichen. Wer 10 000 Stunden mit der Violine unter dem Kinn verbringt, ist demzufolge zwar kein Paganini, jedoch durchaus in der Lage, seinen Lebesunterhalt als professioneller Geiger zu bestreiten. So er denn einen guten Agenten findet, der ihm ausreichend Muggen verschafft.
Sollte mich der Teufel (in diesem Fall wohl Diabolo in Musica) reiten und mir in den Kopf setzen, ich müsse als Geigerin durchs Leben gehen... tja, wie lange würde ich bei einem einigermaßen realistischen Übepensum wohl brauchen, um meinem Chef die Kündigung auf den Schreibtisch werfen zu können?
Angenommen, ich nähme mir 3 Stunden Zeit pro Tag (ich habe ja auch noch ein bisschen so etwas wie ein Leben nebenher), dann käme ich auf etwa 12 Jahre, ehe ich soweit wäre. Statt eine Kündigung zu schreiben, könnte ich dann eigentlich gleich in den Frühruhestand gehen. Bei den Problemen mit der Halswirbelsäule, die ich dann hätte, würde mir das jeder Arzt unterschreiben.
Glücklicherweise ist diese Studie zwar weitläufig bekannt, aber lange nicht das Nonplusultra der Forschung, denn sie vernachlässigt wichtige Faktoren, wie Talent, Vererbung, Vorbildung auf dem zu erlernenden, wie auch auf ähnlichen Gebieten, allgemeine Intelligenz, Alter und Abstraktionsvermögen, um nur einige zu nennen.

Dienstag, 6. Januar 2015

Die Abnippel-Kantaten



Vor etwa 20 Jahren war ein Buch in aller Munde: “Schlafes Bruder” von Robert Schneider erzählt die schreckliche Geschichte eines Wunderkindes an der Orgel. Der musikalisch überdurchschnittlich begabte Elias, der um die Wende vom 17. zum 19. Jahrhundert in einem von Inzest und Vorurteilen geprägten Bergdorf aufwächst, von seiner Mutter jahrelang weggesperrt wird und sich selbst das Orgelspielen beibringt, beschließt eines Tages nicht mehr zu schlafen, um nicht die Zeit, die er damit zubringen könnte, die Liebe zu seiner Cousine Elsbeth zu fühlen, mit Schlaf zu vertrödeln. Dass er damit seinem Leben ein ziemlich qualvolles Ende setzt, ist ihm ebenso egal wie die Tatsache, dass er seinen (in ihn verliebten) besten Freund in diese Suizidgeschichte verwickelt, der schwören muss, ihn nicht zu retten und auch niemandem etwas zu verraten.
 Der Titel “Schlafes Bruder” ist J.S. Bachs Kreuzstabkantate (“Ich will den Kreuzstab gerne tragen”, BWV 56) entnommen (Schlusschoral), dem Stück, das Elias spielt und über dessen Thema er improvisiert, als ihm dieser absonderliche Suizidgedanke kommt. Eigentlich ein wunderschönes Stück klick , das allerdings ziemlich viel Jenseitssehnsucht spüren lässt. Die Sache mit dem Kreuzstab, den man selbst tragen möchte ( auf dem Weg nach Golgatha kommt es auf den einen oder anderen Leistenbruch ja ohnehin nicht mehr an), hätte ja eigentlich ganz wunderbar zum Karfreitag gepasst, wieauch die ansonsten recht trübe Stimmung der restlichen Kantate, jedoch gehört sie mitten in den Herbst (3. Sonnatg nach Trinitatis) und erzählt die Geschichte der Heilung des Gichtkranken (Matthäus 9 ), dem seine Schmerzen am Ende dermaßen an die Substanz gehen, dass er nicht mehr leben möchte. Spaß ist etwas anderes, aber irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es der gute Herr Bach ohnehin mit dem Tod hatte.

Sonntag, 4. Januar 2015

Obertönig mit drohendem Unterton


 

Die Obertonreihe dürfte den meisten Menschen, die sich mit Musik beschäftigen, bekannt sein.
Man nutzt Flageoletttöne (irgendwie habe ich mich noch immer nicht an die Sache mit den 3 Konsonanten nach den neuen Rechtschreibregeln gewöhnt...für mich sieht das immer etwas finnisch aus), um Saiteninstrumente zu stimmen, Bläser mit Naturtoninstrumenten können etweder gar nichts anderes spielen, oder benötigen zusätzlich Ventile, als Kinder produzierten wir sie durch das Herumschleudern von alten Waschmaschinenschläuchen (und droschen damit versehentlich unseren Geschwistern die Köpfe ein und die Vasen vom Regal), sie begegnen uns weil sie in quasi jedem Ton und erst recht in jedem Akkord mitschwingen. Und sie sind dafür verantwortlich, dass wir Durdreiklänge als reiner empfinden, als Molldreiklänge. Picardische Terzen, verdunkelnde und aufhellende Effekte, barocke Stilelemente, ohne die kein Christus in den Himmel fahren und niemand trübe, trostlose Qualen erleiden konnte... wer hat Schuld? Die Naturtonreihe, in der der Durdreiklang quasi natürlicherweise enthalten ist.

Freitag, 2. Januar 2015

23% Bach




Vor einiger Zeit war ich auf der Suche nach einer DVD, die ich klugerweise bereits sofort nach dem Auspacken an einer Stelle deponiert hatte, die ich mir schon zu diesem Zeitpunkt nicht merken konnte. Dabei geriet mir ein Stapel älterer Bach-Magazine in die Finger, die durchzusehen bedeutend spannender war, als weiterzusuchen, weshalb ich besagte DVD bis heute nicht gefunden habe.

Eines der Magazine stammte aus dem Jahr 2011 und enthielt einen kurzen Artikel,in dem auf eine Umfrage Bezug genommen wurde, derzufolge nur 50% der Deutschen wissen, wer Mozart ist. Und der hat noch Glück gehabt. Derselben Untersuchung zufolge hatten nur 23% der Bevölkerung eine Ahnung, wer Bach war. Das erschien mir da doch reichlich seltsam. Ich konnte und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Hälfte der Bevölkerung im Umkehrschluss nichts mit dem Namen Mozart verbinden könnte, außer vielleicht diese kleinen schokoladeüberzogenen Marzipanpralinen. Also setzte ich mich an den Rechner und suchte mir die Umstände dieser Umfrage zusammen.

Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich im Kindergarten einmal gefragt wurde, ob ich denn wisse, wer Mozart sei und im Brustton der Überzeugung antwortete, das sei ein Wunderkind gewesen, das mit 5 Jahren bereits Klavier und Geige spielen, sowie autofahren konnte. Gut, ein kleiner Treffer war dabei, aber von der Sache mit dem Autofahren ließ ich mich trotz mehrfacher Belehrung durch die pädagogischen Fachkräfte nicht abbringen. Ich gebe zu, ich konnte sehr halsstarrig sein.